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Strompreise steigen besonders bei sparsamen Kunden

23.12.2008 | 12:52 Uhr |

Zum Jahresanfang 2009 erhöhen die Stromversorger nahezu flächendeckend die Strompreise, im Durchschnitt um acht Prozent. In Einzel-Fällen kommt auf die Kunden sogar eine Kostenexplosion um über 50 Prozent zu – wie ein Beispiel der Stadtwerke München SWM zeigt. Paradox: Davon sind ausgerechnet Stromkunden betroffen, die besonders wenig Strom verbrauchen.

Wer im Gebiet der Stadtwerke München wohnt und vom SWM seinen Strom bezieht, muss sich für das Jahr 2009 unter Umständen auf eine gewaltige Strompreiserhöhung einstellen. Und zwar dann, wenn er bisher besonders wenig Strom verbraucht hat. Denn bisher berechnete der SWM bei Kunden, die nur wenig Strom verbrauchen, den so genannten "festen Leistungspreis" nicht - dieses Vorgehen heißt "Durchschnittspreisbegrenzung". Dieser feste Leistungspreis beträgt brutto 55,69 Euro im Jahr für Privatkunden. Wer bis dato sparsam mit seinem Stromverbrauch umging, musste bei der Eintarifmessung nur den jährlichen Verrechnungspreis von brutto 31,77 Euro und die Kosten pro Kilowattstunde bezahlen. Berufstätige, die in München nur aus beruflichen Gründen eine Zweitwohnung zum Schlafen besitzen, kamen so auf jährliche Stromkosten von rund 85 Euro, wie in einem uns konkret vorliegenden Fall. Ab dem 1.1.2009 kommt nun aber der feste Leistungspreis hinzu, so dass - bei unverändertem Stromverbrauch – eine jährliche Stromrechnung von zirka 140 Euro anfällt! Also 140 Euro statt 85 Euro . Wie gesagt: Ohne dass der tatsächlich Stromverbrauch gestiegen wäre.

Die SWM bieten zwar die Alternative an, in den so genannten M-Strom privat zu wechseln. Bei diesem Tarif gibt es keine Unterscheidung zwischen Leistungspreis und Verrechnungspreis, stattdessen wird ein Grundpreis von 7,29 Euro pro Monat berechnet zu dem dann noch die Kilowattkosten kommen. Doch auch bei einem Wechsel zu M-Strom privat erhöht sich die Stromrechnung ohne Zutun des Stromkunden erheblich: 87,48 Euro Grundpreis zuzüglich der zirka 54 Euro für den verbrauchten Strom ergeben 141,48 Euro Gesamtkosten.

Bleibt als einzige Reduzierungsmöglichkeit der Wechsel zu M-Strom Internet: Dieser Tarif hat einen um zehn Euro niedrigeren Grundpreis, zudem bekommt der Kunde einen einmaligen Bonus von 25 Euro. So muss der Kunde bei gleichbleibendem Stromverbrauch im ersten Jahr nach Wegfall der Durchschnittspreisbegrenzung um die 106 Euro bezahlen (wobei die tatsächlichen Kosten noch höher sind, weil der Arbeitspreis pro Kilowattstunde ja auch erhöht wird).

Das Problem dieser massiven Strompreiserhöhung trifft vor allem Berufstätige, die in München eine kleine Zweitwohnung besitzen und sich dort nur wenig aufhalten und damit wenig Strom verbrauchen. Für die Masse der Münchner Stromkunden stellt sich die Strompreiserhöhung also nicht ganz so massiv da (obwohl sie natürlich trotzdem ärgerlich ist, besonders wenn man bedenkt, dass die Rohstoffpreise auf dem Weltmarkt derzeit rückläufig sind). Doch eine bestimmte Gruppe von Stromkunden, die besonders wenig Strom verbraucht, wird eben massiv belastet. Darüber kann auch die Erklärung nicht hinweghelfen, die Pressesprecherin Bettina Hess von den Stadtwerken München gegenüber der PC-WELT abgab:

"Wie es die meisten Versorgungsunternehmen bereits getan haben (oder beabsichtigen noch zu tun), werden auch die SWM zum 1. Januar 2009 die Durchschnittspreisbegrenzung einstellen. Dies hat folgende Gründe:
1. Aus Wettbewerbsgründen: Diese gibt es bei keinem unserer Wettbewerber.
2. Je Kunde fallen Fixkosten an, die wir im Sinne der Gleichbehandlung aller unserer Kunden auch Verursachergerecht weitergeben müssen."

Wer von einer Strompreiserhöhung betroffen ist, kann seinen Vertrag kündigen. Aber auch ohne Preiserhöhung ist eine Vertragskündigung innerhalb der üblichen Kündigungsfristen möglich. Informieren Sie sich aber vorher im Internet, beispielsweise bei www.strom-magazin.de oder www.steckdose.de , über preiswertere Anbieter und deren genaue Konditionen - nicht dass Sie vom Regen in die Traufe kommen.

Übrigens: Wer Probleme mit den Stadtwerken München hat, kann diese auf einer eigens dafür eingerichteten Website schildern .

8 Prozent teurer: Versorger erhöhen Strom-Preise

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