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Konsolen-Exporte: Streit zwischen Sony und Online-Händler Lik-Sang geht weiter

23.10.2006 | 10:54 Uhr |

In einer Stellungnahme des in Hongkong ansässigen Online-Händlers Lik-Sang zu dem Urteil bezüglich des Exports von PSP-Konsolen nach England/Europa wirft das Unternehmen Sony vor, die Prozesskosten in die Höhe zu treiben, um den Händler finanziell ausbluten zu lassen. Rechtlich sieht sich Lik-Sang weiterhin auf der sicheren Seite.

Globalisierung ist offenbar nur so lange erwünscht, so lange nicht die Interessen eines Unternehmens berührt werden, sprich sich auch Anwender weltweit nach Gütern umsehen und diese importieren, anstatt warten zu müssen, bis Firmen Produkte auch offiziell am Heimatmarkt anbieten. Bei Videospielen/-Hardware ist dies seit Jahren gang und gäbe, da neue Konsolen, beispielsweise nun die Playstation 3 erst mit Verzögerung in Europa erhältlich ist. Hardcore-Fans wollen aber nicht so lange warten und ordern bei Online-Händlern, die die begehrten Güter von Asien aus nach Europa verschiffen. Bereits bei der PSP, die mit erheblicher Verzögerung auch nach Europa kam, haben sich viele Anwender bei asiatischen Anbietern, wie beispielsweise Lik-Sang eingedeckt. Sony hat Lik-Sang wegen des Exports von PSP-Konsolen nach England/Europa verklagt und vor kurzem Recht bekommen (wir berichteten). Lik-Sang wehrt sich aber weiterhin und erhebt nun seinerseits Vorwürfe gegen Sony.

Demnach wurde das Urteil in England in Abwesenheit der Anwälte des Online-Händlers gefällt. Ob das Urteil auch den Export von Playstation-3-Konsolen oder anderer Playstation-Artikel betrifft, sei nicht klar. Neben der Klage in England habe Sony zudem Klage vor dem "High Court" in Hongkong eingereicht. Darin werde dem Händler vorgeworfen, Sony-Produkte in "unlauterer Art und Weise" anzubieten sowie "unrechtmäßig gegen die ökonomischen Interessen Sonys" zu verstoßen (auf gut Deutsch: Die Produkte günstiger anzubieten, als es Sony in den jeweiligen Märkten machen würde). Daneben wird dem Unternehmen die Verletzung von Sonys Urheberrechten vorgeworfen, da Lik-Sang die öffentlich zugänglichen Handbücher der PSP-Konsolen über seine Server angeboten hatte.

Rechtlich gesehen sieht sich Lik-Sang weiter auf der sicheren Seite. Laut Unternehmen erlauben die Gesetze Hongkongs den Parallel-Handel, zudem habe der Händler keinerlei Geschäftsbeziehungen (Niederlassungen, etc.) zu England. Dementsprechend verwundert zeigt sich das Unternehmen auch darüber, dass aus Sicht des britischen Richters englisches Recht auch für einen Exporteur in Hongkong gelten soll. In Sachen Playstation 3 habe Sony laut Lik-Sang bereits damit gedroht, Klage einzureichen, sollten Konsolen nach Europa exportiert werden.

"Sich gleichzeitig gegen mehrere Klagen in verschiedenen Ländern zur Wehr zu setzen und hohe Ausgaben für Anwälte zu stemmen, ist eine überwältigende Aufgabe für ein kleines Unternehmen wie Lik-Sang. Das Einreichen unterschiedlicher Klagen mit unterschiedlichen Vorwürfen und unterschiedlichen Richtern ist vollkommen unnötig, mit Ausnahme der Tatsache, dass ein Ziel erreicht wird: Das finanzielle Ausbluten von Lik-Sang", so Pascal Clarysse, Marketing Manager von Lik-Sang. "Und im Gegensatz zu ihren Vorwürfen denke ich nicht, dass sie (Sony, Anm. d. Red.) durch die Aktivitäten von Lik-Sang 'Verluste und Schaden' erleiden." Kurz zusammengefasst umschreibt der Manager die Situation mit folgendem, abgewandelten Sony-Werbespruch: "Pay beyond".

PSP-Importe: Sony gewinnt gegen Lik-Sang (PC-WELT Online, 20.10.2006)

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