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Das Gespenst Rezession geistert weiter herum

14.08.2008 | 12:10 Uhr |

Die Konjunktur ist in den letzten Wochen regelrecht eingebrochen - und das weltweit.

"Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt wenige überzeugende Faktoren, die eine weitere Verschlechterung in den nächsten Monaten aufhalten können. Man sollte sich derzeit darauf einstellen, dass es auch in Europa - zumindest in einigen Staaten - eine Rezession geben könnte. Die Signale sprechen momentan eher dafür als dagegen." Zu dieser nüchternen Prognose gelangt Martin Hüfner, volkswirtschaftlicher Berater der Direkt Anlage Service AG. In seiner aktuellen Marktbetrachtung führt der Experte an, dass etwa das Wachstum der deutschen Wirtschaft inoffiziellen Berechnungen nach gegenüber dem Vorquartal mit einer Rate von vier Prozent (annualisiert) geschrumpft ist.

Obwohl sich das positive Wirtschaftswachstum des ersten Quartals mit plus sechs Prozent für den Jahresverlauf nicht fortsetzen werde, bewertet der Insider die sich insgesamt für das erste Halbjahr abzeichnende Lage für Deutschland mit plus zwei Prozent als "ordentlich". So liege dieser Wert noch immer über der Rate, mit der das deutsche Produktionspotenzial anwachse. "Wegen des schlechten Konjunktursausblicks wird sich das Wachstum im dritten und vierten Quartal aller Voraussicht nach jedoch nicht fortsetzen", sagt Hüfner. In Hinblick auf die drohende Rezession sehen zunehmend aber auch Banker der US-Notenbank Fed die Lage kritisch. Wie die Dallas Morning News berichtet, warnt der Präsident der Dallas Federal Reserve Bank, Richard Fisher, vor dem Schrumpfen der Wirtschaft in den USA bis zum Ende des Jahres. Obwohl auch der Chef der Richmond Federal Reserve, Jeffrey Lacker, auf Rezessionsgefahren hinweist, läge das vornehmliche Problem eher im Inflationsanstieg.

Die schlimmsten Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftsprobleme sieht Hüfner jedoch für Europa. Diese Einschätzung wird dadurch gestützt, dass die Auftragseingänge in Deutschland so stark abgestürzt sind wie zuletzt vor 16 Jahren. Betroffen sind vor allem die Auslandsorder aus der Eurozone, die massive Einbrüche zu verkraften haben. Zudem sind die Erwartungen gemessen an den Geschäftsklimaindizes des ifo Instituts für Wirtschaftsforschung oder des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung eingebrochen. Daraufhin würden auch viele Konzerne vorsichtig mit langfristigen Kapazitätsplanungen sein. Dass eine Rezession bevorsteht, zeigt sich jedoch nicht nur mit Blick auf Deutschland oder die USA. Auch in Japan spricht man bereits offiziell von einer Rezession. So soll das Wachstum in den kommenden drei Quartalen nur noch 0,1 Prozent betragen. Zudem mehren sich auch in China die Anzeichen für einen Abschwung.

"Die Konsumflaute in den USA samt den Rezessionsängsten war spätestens mit dem Ende der von der Regierung initiierten, temporären Steuerscheck-Aktion abzusehen. Anders hingegen die Situation hierzulande oder in Japan. In diesen Regionen war der Konjunkturabschwung nicht so stark erwartet worden", fügt Hüfner hinzu. Zwar ist das gegenwärtige Wirtschaftsumfeld wenig erfreulich, der Experte geht derzeit jedoch noch nicht wie der Ex-US-Notenbankchef Alan Greenspan schrieb, von einer "Jahrhundert-Krise" aus. "Das glaube ich nicht. Nach einer solchen Häufung von schlechten Meldungen wird es auch wieder bessere Zeiten geben. Eine Rezession auch in Staaten Europas schließe ich aber nicht mehr kategorisch aus", so Hüfner. Andererseits geht der Ökonom davon aus, dass der Zenith der Inflation erreicht sein dürfte. Zudem seien die Aktienkurse bei vielen Unternehmen inzwischen so attraktiv, dass internationale Investoren wieder ans Kaufen denken würden. (pte/jp)

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