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Kommentar zum "Volks-PC I"-Streit

02.12.2002 | 14:18 Uhr |

Das Urteil zum "Volks-PC I" sorgt für Aufregung, was wir nicht recht nachvollziehen können. Es sei denn, wir wären an der Stelle von 4MBO. Dann wären wir natürlich nicht erfreut über das Hamburger Landgericht und die Berichterstattung in der PC-WELT. Sind wir aber nicht. Im Gegenteil: Unsere Rolle ist die des Leseranwalts - wir gucken der Industrie auf die Finger, testen, prüfen und klären auf. Und das schonungslos. Wir bauen keine Strahlen-PCs ...

Das Urteil zum "Volks-PC I" sorgt für Aufregung, was wir nicht recht nachvollziehen können. Es sei denn, wir wären an der Stelle von 4MBO. Dann wären wir natürlich nicht erfreut über das Hamburger Landgericht und die Berichterstattung in der PC-WELT. Sind wir aber nicht. Im Gegenteil: Unsere Rolle ist die des Leseranwalts - wir gucken der Industrie auf die Finger, testen, prüfen und klären auf. Und das schonungslos. Wir bauen keine Strahlen-PCs ...

Jetzt behauptet einer unserer Mitbewerber, hinter den Prüfberichten stecke 4MBO-Konkurrent Fujitsu Siemens. Was für ein Unsinn! WIR haben das EMV-Prüflabor von Fujitsu Siemens mit dem Test beauftragt. Dieses Prüflabor ist von der DATech - der Deutschen Akkreditierungsstelle Technik e.V. - akkreditiert. Dabei muss es sich verpflichten, streng normenkonform und wertungsfrei zu testen. Auch andere Hersteller lassen in der dortigen Absorberhalle (sie zählt übrigens zu den besten Hallen der Welt) ihre PCs testen. Und das EMV-Prüflabor von Fujitsu Siemens hat einen Ruf zu verlieren - und niemand kann ernsthaft glauben, Fujitsu Siemens würde seine Reputation aufs Spiel setzen.

Außerdem haben wir unsere vier "Volks-PCs I" ja mehr als einmal messen lassen. Und das bei unterschiedlichen Konfigurationen. So hat beispielsweise der TÜV Rheinland am vorderen Schnittstellenfeld des "Volks-PC I" nur eine USB-2.0-Festplatte angeschlossen - der PC strahlte über die erlaubten Grenzwerte hinaus. Alle vier CE-akkreditierten Prüflabore kommen zum selben Ergebnis: Der "Volks-PC I" überschreitet die Grenzwerte für elektromagnetische Verträglichkeit, trägt das CE-Zeichen also zu Unrecht und hätte demnach gar nicht verkauft werden dürfen.

Das haben wir in dieser Deutlichkeit geschrieben - was natürlich dem Hersteller nicht gefallen hat, der übrigens in der Verhandlung nur einen LGA-"Prüfbericht" vorlegen konnte. Dieser LGA-"Prüfbericht" ist kein CE-Konformitätsbericht, sondern stellt sich lediglich als Sammlung verschiedener Tests zu verschiedenen Zeiten dar, der zudem zwei Spitzen jenseits des erlaubten Grenzwerts enthält. Und das will der Beweis für die angebliche CE-Konformität sein!

Über all das konnten wir in den letzten vier Wochen allerdings nicht berichten. Denn 4MBO hatte eine Einstweilige Verfügung gegen die PC-WELT erwirkt - was leider möglich ist, ohne dass der Antragsgegner (also wir) vor Gericht gehört werden muss. Während wir bis zur Aufhebung durch das Gericht nach mündlicher Verhandlung einen Maulkorb zu tragen hatten, haben sich bestimmte Kollegen anderer PC-Zeitschriften bzw. IT-Sites ungebührlich weit aus dem Fenster gelehnt, offenbar ohne die genauen Sachverhalte zu kennen.

Renate Regnet-Seebode

Leitung Hardware & Testcenter PC-WELT

Die ungeschminkte Chronik des "Volks-PC I" können Sie hier nachlesen.

Alle Links zum "Volks-PC I"

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