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Google der "Weiße Ritter"?

04.02.2008 | 14:52 Uhr |

Was herauskommt, wenn sich zwei Quasi-Monopolisten streiten, kann man derzeit schön am Fall Yahoo beobachten. Während der eine Gigant mit aller Macht in den Bereich Online-Werbung vordringen will, will der andere Beinahe-Monopolist seine dortige Vormachtstellung mit allen Mitteln verteidigen. Doch was nach außen wie reine Nächstenliebe aussieht, ist nichts anderes als knallhartes Business.

Es dauerte nicht lange, bis Google auf Microsoft Pläne, Yahoo zu übernehmen, reagierte. Am Wochenende bereits schrieb Googles Chef-Jurist David Drummond in einem Google-Blog "Könnte Microsoft nun versuchen, den gleichen unangemessenen und unrechtmäßigen Einfluss über das Internet auszuüben wie beim PC? Könnte der Kauf von Yahoo! Microsoft - trotz seiner Vorgeschichte von ernsthaften Verstößen gegen Gesetze und Wettbewerbsrecht - erlauben, unfaire Praktiken bei Browsern und Betriebssystemen auf das Internet auszudehnen?"

Dies klingt, mit Verlaub, als sei Microsoft in diesem Bereich der Quasi-Monopolist, und nicht etwa Google. Und es klingt schlicht nach Polemik. Denn es muss auch einem Unternehmen wie Microsoft gestattet sein, andere marktbeherrschende Firmen anzugreifen. Letztlich hat sich im Bereich der Online-Werbung mittlerweile eine Situation ergeben, in der nur noch Beinahe-Monopolisten - entsprechend mit Geld ausgestattet - anderen Beinahe-Monopolisten Paroli bieten können. Und mal ganz nüchtern betrachtet: Selbst wenn Microsoft es schaffen sollte, sich Yahoo einzuverleiben, lägen die kombinierten Marktanteile beider Firmen im Suchmaschinen-Markt noch immer meilenweit hinter denen von Google. Aber man hätte zumindest einen kleinen Gegenpol zu Googles Allmacht in diesem Bereich installiert.

Interessant ist nun die Art und Weise, wie Google versucht, sich aus diesem Dilemma zu befreien. Nach außen hin wird versucht, sich als eine Art "weißer Ritter" zu positionieren, also als Unternehmen, das eine kleinere Firma gegen eine feindliche Übernahme (finanziell) unterstützt. Das Absurde daran ist, dass in diesem Fall der eigentliche Quasi-Monopolist nur versucht, seine Vormachtstellung nicht zu verlieren. Denn hätte Google Erfolg, würde sich an der jetzigen Situation kaum etwas ändern. Schlimmer noch: Endanwender hätten womöglich noch weniger Wahlmöglichkeiten bei der Internet-Suche. So ist Gerüchten zufolge einer der Vorschläge für eine Zusammenarbeit zwischen Google und Yahoo, dass Letztere ihre Suche an Google auslagern. Man stelle sich folgende Situation vor: Ein kleinerer Anbieter eines Betriebssystems möchte die Nummer zwei am Markt aufkaufen, um einen Gegenpol zu Microsoft aufzubauen. Zusammen hätten die beiden Firmen etwa 30 Prozent Marktanteil. Microsoft will diese Übernahme nun verhindern, indem es der Nummer zwei finanzielle Mittel und weitgehende Zusammenarbeit in Aussicht stellt. Der Aufschrei der Marktbeobachter, Experten und Anwender dürfte nicht lange auf sich warten lassen - zurecht. Aber nichts anderes geschieht ja gerade zwischen Google und Yahoo.

Interessant ist auch, wie aufgeschreckt Google durch Microsofts Ankündigung wirkt. Offensichtlich misst man bei Google der Angelegenheit mehr Bedeutung bei, als der Blick auf die Marktanteile vermuten lässt. Anscheinend will man absolut kein Risiko eingehen und einen potenziellen Königsmörder erst gar nicht entstehen lassen.

Google tritt damit in eine neue Phase ein: Das Unternehmen ist selbst fast ein Monopolist und muss sich damit auch mit Anfeindungen und Angriffen von Emporkömmlingen auseinandersetzen. Dass einer dieser neuen Player ausgerechnet Microsoft heißt, ist eine Ironie des Schicksals, aber deswegen nicht verwerflich. Und dass ausgerechnet Google nun vor weniger Innovation warnt, kann nicht ernst genommen werden. Denn noch ist Google bei weitem Marktführer und kann mittels Innovationen die weitere Entwicklung seines Geschäfts maßgeblich selbst bestimmen. Zudem müsste man einen "Angreifer", der keine Innovationen bietet, kaum fürchten.

Dass echte oder beinahe Monopole angegriffen werden, ist legitim und aus Verbrauchersicht erwünschenswert. Beispiele gibt es mit Firefox und Open Source zuhauf und es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auch Google dem stellen muss. Und eines darf man bei aller Sympathie für Google nicht vergessen: Hinter der "Don't be evil"-Attitüde stecken knallharte Geschäftsinteressen. Und ein paar Prozentpunkte mehr oder weniger Marktanteil bei der Online-Werbung bedeuten mittlerweile Milliardenbeträge. Und davon - so wird nun deutlich - will Google kampflos nicht einen Cent abgeben. Auch das ist wirtschaftlich gesehen natürlich vollkommen legitim.

Was halten Sie von der geplanten Yahoo-Übernahme? Sind die Einwände von Google berechtigt? Oder sind Sie der Meinung, dass der Suchmaschinen-Markt durchaus ein wenig Konkurrenz vertragen könnte? Posten Sie Ihre Meinung in das Forum zu dieser News.

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