123798

Spiele-Downloads - quo vadis Spiele-Industrie?

26.06.2008 | 14:05 Uhr |

Es ist was faul im Spiele-Land - ein Gespenst geht um. Das der Spiele-Downloads. Schon seit Jahren erklären Publisher und Hersteller wie Microsoft, dass in Zukunft Spiele nicht mehr auf Medien, sondern ausschließlich als Download angeboten werden sollen. Aktuell ist nun auch Sony zu dieser Gruppe gestoßen. Was sich für Anwender zunächst sehr bequem anhört, birgt auf den zweiten Blick eine Menge Nachteile.

Blu-ray ist die Zukunft, hieß es jahrelang seitens Sony. Im Spiel- und Film-Bereich bietet das Medium auch charmante Möglichkeiten, schlicht und ergreifend auf Grund der Kapazität des Mediums, das die gute DVD recht alt aussehen lässt. Der Sieg gegen HD-DVD wurde nicht zuletzt durch die Playstation 3 entschieden, die über ein internes Blu-ray-Laufwerk verfügt. Doch nun ist das alles offenbar Schnee von gestern. Innerhalb der kommenden fünf Jahre sollen die Umsätze, die mit Spiele-Downloads generiert werden, mit denen durch physische Medien gleich ziehen, zeigt sich David Reeves, Chef von SCEE in einem Interview überzeugt . Bereits jetzt laden laut Reeves 40 Prozent der Playstation-3-Besitzer Spiele per Download auf ihre Konsole, auch die Daten für die Download-Version von Gran Turismo zeigten, was möglich sei. Ähnliches gilt auch für die Xbox 360, über deren Marktplatz sich Spieler mit kostenpflichtigen Arcade-Titeln, Filmen oder älteren Xbox-1-Spielen versorgen können.

Kein Wunder also, dass Hersteller hier enormes Wachstumspotenzial sehen - langfristig zu Lasten des klassischen Spiele-Handels. Denn was für Endanwender zunächst sehr bequem aussieht - man lädt sich bei Bedarf schnell ein Spiel, ohne in ein Geschäft gehen zu müssen - erweist sich auf den zweiten Blick als gute Möglichkeit für Hersteller und Publisher, Gewinne weiter zu maximieren und nebenbei die Nutzung dieser Spiele einzuschränken.

Das Problem an Spiele-Downloads ist zunächst, dass sie kaum weniger kosten, als das "echte" Spiel mit Disc, Hülle und Anleitung in Papierform. Dies ist im Grunde kaum verständlich, denn immerhin spart sich der Anbieter die Kosten für die Herstellung der Medien, die Verpackung und den Transport. Lediglich Server-Kapazitäten müssen bereit gestellt werden, die in der Summe aber kaum die beim normalen Vertrieb anfallenden Kosten übersteigen werden - vor allem nicht auf lange Sicht. Darüber hinaus wird mit diesem Schritt bequem der Zwischenhandel und damit dessen Margen eliminiert. Schon allein deswegen müssten Spiele-Downloads zumindest um diesen Betrag günstiger online erhältlich sein.

Das zweite Problem aus Anwendersicht ist, dass sich Spiele, die auf eine Konsole geladen wurden, nicht mehr so einfach gebraucht weiterverkaufen lassen. Der Gebrauchmarkt für Konsolen-Software wäre beim Umstieg auf den reinen Online-Vertrieb mit einem Schlag trocken gelegt. Gut für die Hersteller, aber schlecht für die Konsumenten.

Drittens fehlt es noch an der nötigen Infrastruktur, überhaupt ein Spiel mit mehreren GB in einer anständigen Geschwindigkeit auf eine Konsole laden zu können. Hochgeschwindigkeits-Internetzugänge sind noch rar gesät und selbst mit diesen ist der Download von 5, 6 oder 20 GB zeitaufwändig. Nicht zu vergessen ist dabei, dass Konsolen nur beschränkt Platz bieten. Bei der Playstation 3 sind es derzeit 40 GB, die Xbox 360 kommt auf 20 respektive 120 GB (Elite-Version oder optional für 180 Euro erhältliche Festplatte). Bei der Playstation 3 würde der reine Festplattenplatz bei größeren Titeln vielleicht für drei oder vier Spiele reichen, dann ist Schluss. Und jedes Mal, wenn ein neues Spiel geladen wird muss ein altes deinstalliert und bei Bedarf neu heruntergeladen werden - was kaum noch bequem ist.

Unbestreitbar ist, dass im Bereich der kleineren "Casual"-Games mit vielleicht 500 MB der Download-Vertrieb die einzige Alternative ist und auch gut funktioniert. Kaum jemand würde ein Spiel für eine Handvoll Euro gebraucht verkaufen wollen und im Falle eines Falles ist ein solches Spiel schnell mal wieder neu heruntergeladen.

Ich persönlich möchte bei Spielen nicht auf ein anständiges Medium verzichten, das ich in meinen Videospiel-Schrank stellen kann und das über eine gedruckte Anleitung und etwaige Extras verfügt. Ich möchte auch weiterhin ein Spiel einlegen können, wenn mit danach ist und nicht erst stundenlang den Download-Bildschirm anstarren. Und ich möchte mir nicht die Möglichkeit nehmen lassen, ein Spiel, das ich durchgespielt habe oder das mir nicht gefällt, über Online-Börsen oder privat verkaufen zu können. Der Download-Vertrieb ist für mich eine sinnvolle Ergänzung in bestimmten Nischenbereichen, aber kein Ersatz für den regulären Handel. Allerdings bin ich mir sicher, dass es in wenigen Jahren so sein wird, dass Spiele nurmehr per Download erhältlich sind und Medien der Vergangenheit angehören werden.

Was halten Sie von Spiele-Downloads? Würden Sie diese Möglichkeit nutzen? Wenn ja unter welchen Vorgaben? Und wenn nein warum nicht? Diskutieren Sie mit, im Forum zu diesem Beitrag .

0 Kommentare zu diesem Artikel
123798