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Quo vadis, gebrauchte Software?

Die Sperrung von Produktkeys, die Microsoft Anfang dieser Woche veranlasste, sorgte für heftige Diskussionen und erneute Verwirrung im Umgang mit gebrauchter Software.

Von Edith Horton

Wieder einmal macht der anhaltende Konflikt über die Rechtmäßigkeit von gebrauchter Software Schlagzeilen in der Öffentlichkeit. Die Teilnehmer und Positionen sind wie in den vergangenen Jahren identisch. Die Rede ist von Oracle und Microsoft. Der eine setzt seine Auslegung der wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen mit juristischen Mitteln durch, was absolut legitim ist, denn schließlich müssen Hersteller und Kreative für ihre Werke entlohnt werden und ihre Rechte verteidigen dürfen. Damit lässt das Unternehmen die Sache auf sich beruhen, genießt seinen Erfolg und verkauft weiterhin erfolgreich Software.

Der andere nutzt die Gunst der Stunde und will auf Grund der aktuellen Rechtssprechung, die sich übrigens nicht einheitlich auf alle Facetten des Handels mit gebrauchter Software bezieht, seine bisher nicht so gelungene Kommunikationsstrategie neu ausrichten. Schnell wird so aus dem Erfolg des einen die Aktionsstunde des anderen. An dieser Stelle sei jedoch die Frage erlaubt: Wo führen Aktionen wie die Anfang dieser Woche überhaupt hin? Da werden bestimmte Produktkeys, die ursprünglich zu Firmenlizenz-Paketen im Rahmen von Volumenverträgen gehört haben, gesperrt, um im nächsten Schritt den eigenen Kunden rechtliche Schritte gegen fehlerhafte Lizenzierungen anzudrohen. Bei diesem Ritt auf der Rasierklinge könnte man den Eindruck bekommen, dass nicht Kundenunterstützung, sondern Kundeneinschüchterung hiermit angesagt ist.

Angenommen, die in den letzten Jahren auf Basis von Testaten und Beurkundungen durchgeführten Lizenzübertragungen sind nicht rechtmäßig. Angenommen, diese verkauften Lizenzen generierten einen Umsatz in zweistelliger Millionenhöhe. Und angenommen, die Anwender haben bis zu 50 Prozent gegenüber dem Neupreis gespart. Dann müsste man von einem Fehllizensierungsvolumen bei diesen Anwendern von etwa 40 bis 60 Millionen Euro ausgehen, wenn man die Umsatzangaben der Händler hoch rechnet. Kann ein Hersteller ernsthaft ein solches Szenario wollen? Oder wäre nicht ein kluges Handeln im Sinne des Kunden der bessere Weg?

Klar ist, dass rechtswidrige Aktivitäten nicht toleriert werden können und gestoppt werden müssen. Klar ist aber auch, dass dies nur durch konsequentes juristisches Vorgehen erreicht werden kann und taktische Verunsicherung auf Dauer die Glaubwürdigkeit eines Unternehmens schwer beschädigt.

Jede Veröffentlichung zum Thema und jede öffentliche Diskussion nutzt daher den Anbietern von gebrauchter Software mittel- und langfristig wohl mehr, als sie kurzfristig schadet. Denn Anwender, die sich mit diesem Thema beschäftigen, erkennen sehr schnell, was die Rahmenparameter sind und welcher Anbieter nach offenen und standardisierten Prozessen strebt. Sie erkennen die Möglichkeiten, wann sie gebrauchte Lizenzen erwerben können und wann nicht. Und sie erkennen an, wer ihnen helfen möchte.

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