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Kommentar: Musikindustrie nimmt heise.de ins Visier

01.02.2005 | 11:15 Uhr |

Über schwere Zeiten beklagt sich die Musikindustrie und lässt eine Abmahnwelle nach der anderen Rollen. Schwere Zeiten haben wir alle. Doch sollen wir alle gleich wie wild um uns herumschlagen? Aktuelles Beispiel: Da wird heise.de abgemahnt, weil sie über ein Unternehmen berichtet, das ein DVD-Knacktool anbietet.

Über schwere Zeiten beklagt sich die Musikindustrie und lässt eine Abmahnwelle nach der anderen Rollen. Schwere Zeiten haben wir alle. Doch sollen wir alle gleich wie wild um uns herumschlagen?

Aktuelles Beispiel: Da wird heise.de abgemahnt, weil sie über ein Unternehmen berichtet, das ein DVD-Knacktool anbietet. In der Vergangenheit hatte es bereits in ähnlichen Fällen viele kleinere Websites getroffen. Diese mussten dann immer den inhaltsschwer klingenden Anwaltsdrohbrief schlucken, kuschen und zahlen. Wenn die absehbaren Anwaltskosten das zur Verfügung stehende Budget für die Website übertreffen, dann empfiehlt es sich halt den Kürzeren zu ziehen. Recht wird dann relativ und Recht kriegen erst recht.

Doch was bezweckt eigentlich die Musikindustrie mit ihrem Treiben? Die Jagd auf Anbieter von illegal kopierten Musik-CDs und DVDs geht völlig in Ordnung. Wer auf Kosten anderer Geld verdienen will, der gehört vor Gericht. Dieser Gefahr setzen sich natürlich auch Nutzer von Tauschbörsen aus, die munter zig Gigabyte von illegalen Inhalten aus dem Netz ziehen und diese dann auch noch weiterverbreiten.

Ich denke: Die Wahl der Waffen sollte immer in Relation dazu stehen, was angegriffen wird. Mir stößt es aber bitter auf, wenn wie im Falle der betroffenen Newsseite, einfach ein Bericht abgemahnt wird, der informieren will. "Werbung" schreit die Musikindustrie und bemängelt dann auch noch, dass ein Link zum Unternehmen vorhanden war, das das Tool anbietet.

Einen (Presse-)Bericht per Anwälten - die betreffende Kanzlei hat da eh schon einige Übung darin - zu bombardieren kann da nicht die richtige Lösung sein. Bei den Kollegen gab es nirgends eine Anleitung zum Knacken von DVDs. Doch anscheinend will die Musikindustrie die Konsumenten einfach für blöd verkaufen. Einen Produktnamen oder einen Firmennamen darf man nennen, aber wehe da ist auch noch ein Link. Selber googlen ist da erlaubt - noch. Werden irgendwann auch mal Logdateien der Suchmaschinen von der Musikindustrie auseinander genommen, um "böse" Suchabfragen zu ahnden?

Interessant auch: Nicht die Filmindustrie ist sauer auf diesen Bericht, sondern die Musikindustrie springt in die Bresche, wenn es um ein DVD-Knacktool geht. Wohin soll das führen? Zeit, dass sich die Justiz so einem Fall mal annimmt und endlich Klarheit schafft. Mal sehen, ob das, was Hänschen als Gerecht empfindet auch mal wirklich als Gerecht be-urteilt wird. Aber wie es ausgeht, bleibt letztendlich ungewiss. Wie war so schön letztens auch in diesem Zusammenhang zu lesen: "Auf hoher See und vor Gericht ist man in Gottes Hand."

Ich meckere derweil mal etwas über die miesen Musikproduktionen der vergangenen Zeit. Das ist ja wohl (noch) erlaubt.

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