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Google Chrome vs. Firefox und den Rest der Browser-Welt?

02.09.2008 | 14:09 Uhr |

Nun ist es also doch passiert: Google startet einen Angriff auf den Erzfeind Microsoft und bringt einen eigenen Browser auf den Markt: Chrome. Es war schon erstaunlich, dass ein so Internet-zentriertes Unternehmen bisher noch nicht auf die Idee gekommen war, einen Browser zu veröffentlichen und mit Hilfe seiner Online-Power zu pushen.

Man stelle sich vor: Unternehmen X kündigt einen Browser an und Spiegel.de & Co. ist das die Platzierung an prominentester Stelle wert. Kein Wunder: Unternehmen X ist schließlich nicht irgendein beliebiges Unternehmen, sondern Google. Und die Reaktion der Nachrichtenwelt auf Googles Ankündigung, einen Browser veröffentlichen zu wollen, ist verständlich. Denn nun wissen wir: Google hat heimlich über zwei Jahre an einem eigenen Browser gewerkelt. Das Projekt war so geheim, dass alle überrascht darüber sind, dass am Montag die Information publik wird und Google gleich am Dienstag die erste Vorabversion vorlegen will .

Parallel zur Entwicklung von Google Chrome wurden im Hintergrund die IE-Konkurrenten finanziell unterstützt. So wurde beispielsweise mit Mozilla vor zwei Jahren ein Pakt für Firefox geschlossen. Firefox bietet seitdem Google als Standardsuche an und im Gegenzug erhält Mozilla Geld. Viel Geld - wie wir erst am Montag gemeldet hatten. Und erst am Montag hatten wir auch gemeldet, dass Mozilla und Google den Pakt um drei Jahre und damit bis November 2011 verlängert haben.

Google Chrome erstaunt mich persönlich noch in einer anderen Hinsicht: Google unterstützt Mozilla bei der Entwicklung von Firefox. Bei Chrome kommt aber nicht die Rendering-Engine Gecko, sondern Webkit zum Einsatz. Webkit wird auch von Apples Safari genutzt, das in der Windows-Welt bisher nicht punkten konnte. Was will uns Google mit der Entscheidung für Webkit sagen? Ist darin eine Kampfansage an Mozillas Firefox versteckt?

Wie lange wird Google noch Firefox (und auch Opera) finanziell unterstützen müssen, um im Gegenzug bei diesem Browser die Standardsuche zu sein? Wie sehr ist Mozilla auf das Geld von Google angewiesen? Ich denke Mozilla hat das Geld extrem notwendig: 2006 meldete Mozilla, dass 85 Prozent aller Einnahmen von Google stammten. Mit einem Browser ohne Gönner Geld zu verdienen, dürfte also Mozilla schwer fallen. Bis 2011 muss sich Mozilla eine Lösung einfallen lassen.

Googles Griff auf den Browser-Markt wirft aber auch noch weitere Fragen auf: Google Mail, Google Maps., Google Calendar, Google Picasa, Google Text&Tabellen, uvm... Allesamt beliebte Anwendungen, die Millionen von Anwender weltweit nutzen. Was wäre, wenn Google künftig nur noch wert darauf legt, dass diese Web-Applikationen vor allem mit Google Chrome funktionieren? Oder wenn bestimmte Funktionen mit Firefox und Co. nicht oder nur eingeschränkt nutzbar sind?

Extremer noch: Wie würde es sich auf die Verteilung der Browser-Marktanteile auswirken, wenn Google seinen Browser prominent auf seinen Suchstartseiten promotet und Anwender auffordert: "Hey - eure Lieblingssuchmaschine hat nun auch einen Browser, den ihr einfach haben müsst!"

Bisher hat sich "Don´t be evil"-Google aus dem Browser-Markt zurückgehalten. Dass diese Strategie nun geändert wird, zeigt auch, welche Bedeutung Browser schon heute haben und erst recht morgen haben werden. Der Trend ist klar: Applikationen laufen künftig nicht auf dem lokalen Rechner, sondern via Browser im Web. Über kurz oder lang werden Browser damit wichtiger als Betriebssysteme. Da macht es Sinn, schon früh Präsenz zu zeigen. Im Web lässt sich mit Werbung viel Geld verdienen und Google ist in dem Bereich vorne mit dabei. Was liegt dann näher, als das Werkzeug, mit denen die Web-Werbung an den User gebracht wird, gleich selbst auszuliefern. Man bedenke nur, mit welchen Vorteilen dies verbunden wäre, wenn - Datenschützer mal kurz Ohren zuhalten - über kurz oder lang auch direkt ausgewertet werden könnte, welche Werbung Anwender im Laufe einer Surfsession angeklickt haben?

Andrerseits: Es ist das gute Recht von Google, einen Browser zu veröffentlichen. Konkurrenz belebt das Geschäft. Firefox hat für Bewegung auf dem Browser-Markt gesorgt und dem Internet Explorer ordentlich Marktanteile abgefuchst, während Opera und Apple mit ihren Browsern eher weniger Erfolg hatten. Googles Browser hat dagegen das Zeug, auf Anhieb bei den erfolgreichen Zwei da oben mitzumischen. Ist da oben aber wirklich Platz für drei Browser? Und wenn nein: Welcher Browser wird überleben? Die Zeit wird es zeigen…

Der Browser-Historie kann nun ein weiteres, wichtiges Datum hinzugefügt werden: Dem 9. November 2004, der Tag, an dem Firefox 1.0 erschien, folgt nun mit dem 2. September 2008 der Tag, an dem Google mit Google Chrome zur Browser-Krone greift.

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Update 3.9.: Google Chrome ist verfügbar. Wir stellen Ihnen alle Details des Google-Browsers in einem ausführlichen Test vor.

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