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Kommentar: Freiheit für die analoge Schnittstelle

01.03.2006 | 13:54 Uhr |

Es ist Zeit Abschied zu nehmen: Ade analoger Ausgang, es war schön mit Dir. Ich hätte dich auch gerne behalten, aber spätestens im Jahr 2014 musst Du Deine Koffer packen. Kopierschutz. Du verstehst das sicherlich.

Was ich von Blu-ray und HD-DVD halte (nicht von der Technik an sich, eher von den damit verbundenen kopierschützelnden Begleitumständen) habe ich bereits hier beschrieben . Ein weiterer Aspekt der schönen neuen High-Tech-Welt blieb dagegen bislang relativ unbeachtet: Der stille und heimliche Niedergang der analogen Schnittstelle.

Diese putzige, kleine Komponente, an der wir uns seit Jahren erfreuen, ist akut vom Aussterben bedroht. Zumindest in Sachen Home-Entertainment im Wohnzimmer. Denn die Industrie sieht darin nicht etwa einen praktikablen und einfachen Weg, Bilder oder Sound auf die Mattscheibe zu befördern, sondern spricht von einer "analogen Lücke". Denn Raubkopierer könnten schließlich hoch auflösende Filme, die per Komponenten-Ausgang (analog) mit bis zu 1080i ausgegeben werden können, problemlos mitschneiden und meistbietend verhökern.

Aus diesem Grund soll der analoge Ausgang bis zum Jahr 2014 trocken gelegt werden. Der Datenstrom der neuesten Hollywood-Hits soll ausschließlich per HDMI fließen, aus dem analogen Ausgang soll es bis dahin (wenn überhaupt) nur noch leicht tröpfeln. Statt hoch auflösendem Filmgenuss würde die Qualität per analogen Ausgang bei etwas über DVD-Niveau liegen.

In den USA spricht man in diesem Zusammenhang von "analog sunset". Doch so schön Sonnenuntergänge auch zuweilen sein mögen, dieser bedeutet für Anwender vor allem eins: Investitionen in Geräte, bei denen die Kontrolle nicht mehr in den Händen der Anwender liegt. Und wenn schließlich alle Inhalte nur noch digital ausgegeben werden, ist es nur noch ein kleiner Schritt, bis Inhalte nach Nutzung abgerechnet werden können. Ein Traum für die Industrie aber ein Alptraum für die Anwender:

"Sie haben heute zwei Mal Robbie Williams gehört, ein Mal AC-DC und ein Mal Britney Spears. Macht 5 Euro bitte."

Mittlerweile sollte es sich herumgesprochen haben, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis neue Schutzmaßnahmen geknackt werden. Gerade professionelle Raubkopierer werden alles daran setzen, die Techniken zu umgehen. Außen vor bleibt der "normale" Anwender, der sich in der Regel damit abfinden muss, nicht mehr alles machen zu dürfen, was er möchte und die Kopierschutzkröte schluckt.

Anwenderfreundlicher wäre es doch, den Kunden nicht immer als Gegner aufzufassen und ihm die Freiheiten zu geben, die er auf Grund der technologischen Möglichkeiten zu Recht einfordert. Dazu gehören beispielsweise das Streamen eigener Filme im Heimnetzwerk oder das problemlose Kopieren von eigenen, gekauften HD-Filmen für andere Ausgabegeräte wie portable Media Player. Aber wenn immer nur daran gedacht wird, die Möglichkeiten der Anwender einzuschränken, darf man sich nicht wundern, wenn neue Technologien nicht akzeptiert werden.

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