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Kommentar: Die Telekom auf dem Weg zum nächsten Monopol

23.02.2006 | 10:44 Uhr |

Offenbar sehnt sich die Deutsche Telekom nach der guten alten Zeit, wo man beim Telefonieren noch auf die Uhr geschaut hat und der Internet-Anschluss ein kleines Vermögen kostete. Die Zeiten sind vorbei. Oder doch nicht? Stichwort: Glasfasernetz.

Man stelle sich vor, der Münchener Nahverkehrsbetrieb MVV verlangt von Karstadt, Kaufhof und McDonald's eine Gebühr, damit die mit U- und S-Bahn zum Marienplatz transportierten Kunden bei den Unternehmen einkaufen können. Zusätzlich müssen die Fahrgäste natürlich noch ein Ticket lösen. Unverfrorener Quatsch? Nun - bei der Deutschen Telekom existieren derartige Pläne für das geplante Hochgeschwindigkeits-Glasfasernetz ( wir berichteten ).

Demnach sollen neben den Kunden auch die großen Website-Betreiber für die Infrastruktur des Systems zahlen. Schließlich muss sich das Ganze ja auch rechnen...

Nur mal kurz zu den Fakten, beziehungsweise Plänen hinsichtlich des Glasfasernetzes: Die Deutsche Telekom möchte dieses Netz nur dann errichten, wenn es von einer Regulierung durch die Bundesnetzagentur ausgenommen wird. Mitbewerber wie United Internet haben angeboten, sich an den Kosten zu beteiligen und das Netz gemeinsam auf die Beine zu stellen. Ob hier Gespräche geführt werden, ist nicht bekannt, wahrscheinlich ist aber, dass die Telekom die Sache alleine durchziehen will. Und schließlich wurden nun Gebühren für Website-Betreiber ins Gespräch gebracht, die die neue Infrastruktur nutzen wollen.

Offenbar ist die Telekom auf bestem Wege, sich ein neues Monopol in diesem Bereich zu erarbeiten. Ein abgeschottetes System, bei dem nur derjenige reinkommt, der auch zahlt. Ein System, bei der ein Unternehmen bestimmen kann, wer rein darf und wer nicht. Gebühren für Unternehmen würden diese wohl kaum interessieren, die Kosten dürften auf die Preise umgelegt werden, letztlich bezahlt also der Kunde sowohl Zugang zum Netz als auch die Gebühren der Unternehmen.

Und auch ein zweiter Punkt stößt sauer auf: Deutschland ist auf dem besten Wege, in Sachen Internet eine Zweiklassengesellschaft zu werden. Diejenigen, die wenigstens DSL 1000 (oder Light) haben und diejenigen, die von Breitbandanschlüssen ausgeschlossen sind (viele ländliche Gebiete). Wenn schon das neue Glasfasernetz von einer Regulierung ausgeschlossen werden soll (wenn auch zeitlich befristet), was verschiedene Regierungsstellen bereits angedeutet haben, hätte die Regierung wenigstens so schlau sein können, dies an eine Bedingung zu knüpfen: Regulierungsfreiheit ja, zum Beispiel für fünf Jahre, aber nur, wenn die Telekom dafür sorgt, dass Breitbandanschlüsse in allen Geschwindigkeiten in ganz Deutschland flächendeckend zur Verfügung stehen. Und damit ist nicht DSL per Satellit gemeint.

Letztlich wird es aber so aussehen, dass in einigen ausgewählten Gebieten Geschwindigkeiten von zigtausend Mbit/s möglich sind (wozu eigentlich?), während in anderen Gebieten noch analoge Modems buschtrommeln.

Ich bin schon mal gespannt, wie teuer ein Glasfasernetz-Anschluss für Endkunden sein wird. Mein Tipp: Grundgebühr ab 40 Euro aufwärts.

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