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Bye, bye Games Convention in Leipzig...

25.02.2008 | 14:20 Uhr |

Nun ist also die Entscheidung gefallen: Leipzig muss sich von der dort groß und stark gewordenen Games Convention trennen und Köln darf sich über eine neue, man mag fast schon sagen, noch eine, Attraktion freuen. Dass dies nicht mit dem Segen von Leipzig erfolgt, wird aus der notwendig gewordenen Namensänderung ersichtlich: GamesCom soll die Messe künftig heißen und die Abkürzung "GC" dürfte damit auch in Zukunft zum Einsatz kommen. Ein Nachruf.

Offengestanden tut es mir Leid für den Standort Leipzig. Ich kann mich noch genau an das Jahr 2004 erinnern, als ich zum ersten Mal die Games Convention besuchen durfte. Zwei Jahre war die Messe damals schon alt, dennoch präsentierte sie sich jung, erfrischend und betont entspannt. Besonders im Vergleich zur CeBIT, die jedes Jahr im März auf meinem Terminkalender steht (Ausnahme: CeBIT 2008 findet ohne mich dieses Jahr statt) und die vor allem von Stress dominiert wird.

Ganz anders Leipzig: Eine Messe der kurzen Wege. Ja - okay. Sie wurde mit der Zeit immer lauter, aber das gehört nun mal zu einer Spielemesse dazu. Wenn sich junge Menschen aus ganz Deutschland, Europa und dem Rest der Welt treffen, dann wird es halt laut. Allerdings würde Ich statt "laut" eher "lebendig" sagen. Überall traf man in Leipzig strahlende Gesichter. Auf der Messe ebenso, wie um die Messe herum und in der Stadt. Das begann schon bei der Ankunft am Leipziger Bahnhof, wenn einen der Taxifahrer freundlich begrüßte und erzählte, wie gut doch die Games Convention der Stadt Leipzig tut.

In der Tat war die Stimmung der Games Convention nicht nur auf dem Messegelände zu spüren, sondern auch in der Stadt selbst. Quasi zum jährlichen Ritual des GC-Besuches gehörte das Konzert im Gewandhaus, welches den Messestart würdig mit einem Spielekonzert einläutete. Keine Reden irgendwelcher Politiker standen hier im Mittelpunkt, sondern das, worum es auf der Messe ging: Die Spiele. Und dies zog sich wie ein roter Faden durch die ganze Messe. In Leipzig traf sich die Spieleindustrie mit ihrer Klientel. Und beide Seiten konnten enorm davon profitieren.

Mit dem Erfolg wuchsen auch die Stimmen, die die erfolgreiche Games Convention aus Leipzig weg und in eine andere Stadt haben wollten. Von Hamburg war die Rede und von München, Frankfurt oder Köln. Alles Großstädte, die sich über Attraktionen sicherlich nicht beschweren müssten. Jeder, den man auf der Games Convention traf, wollte nichts von diesen Gerüchten wissen. Immer wieder wurde betont, wie toll doch Leipzig sei und was man beim Aufbau der Games Convention geleistet und erreicht habe. Da war auch von dem Mut die Rede, den die Leipziger Messe bei der Planung der Games Convention gezeigt hatte und der schließlich durch den Erfolg belohnt wurde. Das alles war nicht nur von Seiten der Messebesucher zu hören und nicht nur die Stimmung in der Stadt, sondern auch und vor allem von Seiten der Aussteller, die man jährlich auf der Games Convention traf und die sich sichtlich zufrieden zeigten mit der Messe in Leipzig.

Nun wird also aus der Games Convention in Leipzig die GAMESCom in Köln. Ab 2009 wird die Messe jährlich im September in der Domstadt am Rhein stattfinden. Welchen Effekt die Messe haben kann, das wissen auch die neuen Veranstalter von der Koelnmesse. "Wir hoffen natürlich, dass auch die Computerindustrie künftig einen noch stärkeren Fokus auf Köln legt, dass sich Entwickler und Dienstleister hierher orientieren", heißt es da und "Wir sehen die Entscheidung für Köln nicht als eine Entscheidung gegen Leipzig, sondern für Deutschland". Ich bin mir ziemlich sicher, dass dies in Leipzig ganz anders empfunden wird.

Ich persönlich hoffe nur, dass Leipzig nicht mehr unter dieser Entscheidung leiden wird, als Köln davon profitieren wird. Denn dann, so meine ich, wäre es letztendlich doch eine Entscheidung gegen Leipzig und damit auch gegen Deutschland. Ich für meinen Teil werde jedenfalls die jährlichen GC-Besuche in Leipzig vermissen: Die Messe, die Messebesucher, die Stadt und die Leipziger selbst.

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