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Komet Tschuri stößt Gasfontänen aus – Philae ist sicher

13.08.2015 | 13:57 Uhr |

Der durch den Lander Philae berühmt gewordene Komet Tschuri ist der Sonne so nah wie nur möglich gekommen. Die Hitze lässt Gasfontänen aus dem Kometen emporschießen. Philae soll aber nicht in Gefahr sein.

Tschuri ist jetzt richtig heiß. Weil er der Sonne so nah wie nie zuvor ist. Das teilte das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt jetzt mit.

Tschuri ist der Komet, auf dem am 12. November 2014 der Lander Philae spektakulär gelandet ist. Das war das erste Mal, dass ein Komet von einer Erd-Sonde Besuch bekam. Allerdings setzte Philae nicht am geplanten Zielort auf, was zur Folge hat, dass die Sonde weniger Strom als geplant erhält und deshalb kaum Kontakt zur Erde halten kann, zuletzt meldete sich Philae am 9. Juli 2015. Seitdem ist der Kontakt zu Philae ganz abgebrochen.

Die Beobachtung von Tschuri geht aber weiter – dank der Sonde Rosetta, die Tschuri umkreist, während Philae schweigt. Als Rosetta vor einem Jahr im August 2014 am Kometen Churyumov-Gerasimenko anlangte, war der noch über 500 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt und kaum aktiv.

Tschuri, wie der Komet 67P/Churyumov-Gerasimenko abgekürzt genannt wird, wurde aber schon seit Wochen aktiver und schleudert Gas und Staub ins All. Weil es auf dem Kometen immer heißer wird. Weil er der Sonne immer näher kommt.

Den „sonnennächsten Punkt auf seiner Bahn, das Perihel, erreicht er am 13. August 2015 exakt um 4.03 Uhr mitteleuropäischer Zeit“, wie die Weltraumforscher erklärten. Das war heute Nacht. Anschließend wird er wieder 6,5 Jahre benötigen, bis er auf seiner nächsten Runde um die Sonne erneut dort ankommt.

Wobei „sonnennächster Punkt“ immer noch ganz schön weit weg ist: Über 185 Millionen Kilometer befanden sich auch heute Nacht noch zwischen Tschuri und Sonne. Damit befindet sich der schwitzende Komet „zwischen den Bahnen von Erde und Mars", wie der Kometenforscher Dr. Ekkehard Kührt vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hinzufügt.

Die Erde ist rund 150 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt. „Trotzdem wird es auf dem Kometen wegen der fehlenden Atmosphäre heißer werden als auf der Erde: Die maximale Temperatur von Churyumov-Gerasimenko, die jahreszeitlich bedingt zurzeit in den südlichen Breiten auftritt, wird bei rund 80 Grad Celsius liegen", so Kührt.

Churyumov-Gerasimenko verliert dabei kräftig an Masse, die Gezeitenkräfte der Sonne sind in dieser Entfernung aber viel zu schwach, als dass es den Kometen zerreißen würde, wie es schon oft bei anderen Kometen in unmittelbarer Nähe zur Sonne oder zu Jupiter passiert ist. Denn immerhin einige hundert Kilogramm Kometenmasse verschwinden jetzt pro Sekunde im All. Mit der Annäherung an die Sonne in den vergangenen Monaten verdampfen die gefrorenen Bestandteile und reißen einigen Kometenstaub mit sich.

Am 29. Juli 2015 gelang es dem um Tschuri kreisenden Orbiter Rosetta den bisher gewaltigsten Gasausstrom aus 186 Kilometern Entfernung zu fotografieren und zu analysieren (siehe Foto oben). Bei Bildern der OSIRIS-Kamera, aufgenommen in einem zeitlichen Abstand von jeweils 18 Minuten, zeigt sich ein sogenannter "Jet", ein Gasausbruch, der Kometenmaterial mit hoher Geschwindigkeit in den Weltraum schleudert, wie die DLR erklärt.

Der aktive Komet macht es als Staubschleuder derzeit aber auch der Raumsonde Rosetta schwer, dicht an ihn heranzufliegen. Die Staubpartikel irritieren die Sternsensoren des Orbiters und verursachen Probleme bei der Navigation. Zum Perihel fliegt Rosetta daher in einer sicheren Entfernung von rund 300 Kilometern von Churyumov-Gerasimenko.

Philae steht sicher

An seinem Standort, den die Forscher Abydos getauft haben (alle Namen aus diesem Projekt wie Philae, Rosetta und Abydos bezeichnen Orte in Ägypten) steht Philae schattig und kühl. "Lander und Instrumente können mindestens 50 Grad Celsius aushalten", betont Koen Geurts vom DLR. "Und diese Temperatur wird an Abydos nicht überschritten werden."
 

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