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Streitfrage: Tablet statt Notebook oder Desktop?

iPad Pro statt PC? Keine Chance!

12.11.2015 | 14:20 Uhr |

Tim Cooks These, das iPad Pro werde das Ende des PCs einläuten teilen wir in unserer Kolumne nicht im geringsten.

Es ist nicht nur das iPad, es ist vor allem iOS. An der Vermutung, ein mobiles Betriebssystem könne Desktop-Systeme bei produktiven Aufgaben verdrängen, haben sich schon andere Hersteller die Finger verbrannt. So hat Microsoft schon vor etwa einem Jahr bereits Windows RT und das Surface RT wieder eingestellt . Das Kernproblem dabei ist, dass Nutzer sich bei der Bedienung grundsätzlich nicht umgewöhnen möchten. In Zahlen ausgedrückt bedeutet das, 90% der Desktop-Nutzer wollen Windows und dessen Bedienkonzept. Ein großer Teil davon hat ja schon den Versuch des Kachel-Overlays statt Startmenü durch Nichtbeachtung von Windows 8 bestraft. Dabei war der Rest des Systems praktisch identisch zum Vorgänger.

Illusion: Dateisystem

Natürlich ist es mit dem iPad pro möglich, Programme nebeneinander anzuzeigen und Inhalte von A nach B zu kopieren. Natürlich wird mit iCloud Drive so eine Art Dateisystem-Imitat im Stile der Dropbox-App bereitgestellt. Nichts desto trotz basiert das System weiterhin auf der Implementierung der Im- und Export-Schnittstellen einzelner Apps. Die Daten existieren für den Nutzer somit nur im Kontext der Apps, und bilden nicht wie beim Desktop-System die allgemeine Basis, auf die Programm gemeinsam zugreifen können – ist keine „iCloud Drive“-Schnittstelle vorgesehen, können auch keine Daten darüber ausgetauscht werden.

Video: Apple iPad Pro - Hands-on

iCloud Drive ist kein zufriedenstellender Ersatz

Das mag wie eine Spitzfindigkeit klingen, ist aber ein entscheidender Paradigmenwechsel im Vergleich zur Nutzung von Desktop-Systemen. Um beim Windows-Beispiel zu bleiben: Hier gibt es in der Regel immer zwei Wege ans Ziel. Entweder man startet über Startmenü oder Desktop-Link ein Programm, und greift von dort aus auf das Dateisystem zu, um eine Datei zu öffnen, oder man ruft einfach per Doppelklick eine Datei aus dem Dateisystem auf, und sie öffnet sich im dafür vorgesehenen Standardprogramm. Beides ist in iOS so nicht möglich. Nehmen wir mal an, „iCloud Drive“ entspräche konzeptionell einem Dateisystem: Tippt man hier auf eine xlsx-Datei, wird diese in der Regel in der Voransicht von iCloud Drive angezeigt und kann dort natürlich nicht bearbeitet werden. Die Auswahl einer Standardanwendung zum öffnen bestimmter Dateitypen gibt es nicht. Der Grund dafür ist auch klar, denn wer eine Datei bearbeiten will, muss sie per Teilen-Schalfläche in die jeweils gewünschte App exportieren (z.B. „Nach Excel kopieren“). Dort kann die Datei dann bearbeitet werden. Da es sich jedoch um eine exportierte Kopie (häufig sogar die Kopie einer Kopie) handelt, bleibt die Originaldatei im iCloud Drive davon unbeeinflusst. Erst wenn man die Datei wiederum manuell aus der App in iCloud-Drive exportiert, erscheint sie dort – meist als zusätzliche Datei.

Alternative: Surface Pro 4?

Eine einfache Datei-Bearbeitung erfordert somit eine ganze Reihe an Interaktionen und Dateikopien. Schuld ist der Aufbau des Systems, das für diese Art der Nutzung nicht optimiert wurde. Apple eigene Apps wie Numbers integrieren iCloud natürlich komfortabler, automatisieren aber den oben genannten Prozess nur, und simulieren deshalb letztlich eine transparente Integration.
Anders als das iPad Pro hat das Surface Pro 4 deutlich bessere Chancen, eine Alternative zu PC und Notebook zu werden – da darauf ein ganz normales Windows 10 läuft. Verdrängen wird aber auch diese Gerätegattung PC und Notebook nicht, aber das hat andere Gründe.

Also iPad Pro statt PC? Auf keinen Fall. Peter Müller von der Macwelt sieht die Sache allerdings ein klein wenig anders.

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