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Klage bedroht Geschäftsmodell von Ebay

30.01.2006 | 15:13 Uhr |

Die Auktionsbörse Ebay ist bei vielen Anwendern beliebt, Millionen Nutzer sind angemeldet und versteigern Tag für Tag ebenso viele Produkte. In den USA protestieren nun Kunden wegen Fälschungen, die als Originalware deklariert wurde und wollen Ebay zur Rechenschaft ziehen. Sollten Gerichte im Sinne der Kläger urteilen, käme das Geschäftsmodell des Unternehmens arg ins Wanken.

Das Geschäftsmodell von Ebay ist so simpel wie genial. Das Unternehmen bringt über seine Web-Seiten Anwender aus aller Welt zusammen, die Waren aller Art verkaufen oder ersteigern wollen. Bei Problemen, beispielsweise nicht erfolgter Lieferung der Waren oder dem Verkauf von Produkten, die nicht der Beschreibung entsprechen, beißen aufgebrachte Anwender bei Ebay allerdings oft auf Granit. Das Unternehmen sieht sich lediglich als Vermittler, kommt es zu Schwierigkeiten, müssen sich die betroffenen Parteien untereinander einigen.

Dies wollen nun Kunden und Unternehmen in den USA nicht länger hinnehmen und könnten, sollten sie gerichtlich erfolgreich sein, Ebay als Ganzes in arge Bedrängnis bringen. So sind vor allem Fälschungen teurer Markenware ein echtes Ärgernis. Einem Bericht der News York Times (NYT) zufolge hat bereits das Unternehmen Tiffany's Klage wegen Fälschungen gegen Ebay eingereicht. Bereits im Jahr 2004 ersteigerte die Firma 200 vorgebliche echte Tiffany-Produkte und musste feststellen, dass es sich bei drei von vier Produkten um Fälschungen handelte. Tiffany's beschuldigt in seiner Klage Ebay der Unterstützung von Fälschungen und fordert mehrere hunderttausend Dollar Schadenersatz. Der Fall soll laut NYT Ende des Jahres verhandelt werden.

Auch andere Kunden berichten von massiven Fällen von Fälschungen, als Beispiel wird Modeschmuck genannt. Einschlägige Händler verkaufen laut Bericht billige Fälschungen hochwertigen Modeschmucks, was zunehmend die Preise für echten Markenmodeschmuck unter Druck setzt. Der Vorwurf: Ebay wolle nicht großflächig gegen solche Angebote vorgehen, da an Einstellungsgebühren und Verkaufsprovisionen mitverdient wird. Das Problem: Ebay sieht sich als Mittler und nicht als Kunst-, Auto- oder Schmuckexperten, der die Echtheit angebotener Produkte bezeugen kann.

Diese Argumentation kommt Ihnen bekannt vor? Ähnlich versuchen es die Betreiber von P2P-Börsen vor Gericht. Auch hier sind die Unternehmen der Ansicht, dass sie lediglich Software zur Verfügung stellen, was die Anwender im Einzelnen machen oder welche Dateien sie tauschen entziehe sich ihrer Kenntnis und könne auch nicht kontrolliert werden. Im Falle von Grokster ging diese Argumentation daneben, die P2P-Börse wurde in den USA für illegal erklärt.

Zu einem ähnlichen Ergebnis könnte auch ein Gericht bei Ebay kommen und entscheiden, dass das Unternehmen durchaus eine Mitverantwortung für die dort angebotenen Waren trägt. Dies würde in der Folge wohl zum unweigerlichen Ende der Börse führen, denn der Aufwand zur Echtheitskontrolle von Waren wäre wohl zu teuer, um wirtschaftlich rentabel zu bleiben.

Haben Sie auch schon einmal ein gefälschtes Produkt bei Ebay ersteigert? Welche Erfahrungen haben Sie in einem solchen Fall mit dem Verkäufer oder Ebay gemacht? Schreiben Sie es uns unter diese News.

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