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Geklaute Musik in Online-Pornos ärgert Labels

18.07.2010 | 15:19 Uhr |

Rechtzeitig zum 15. Geburtstag des MP3-Formats holt die zuletzt etwas gebeutelte Musikindustrie wieder einmal zu einem Rundumschlag gegen Urheberrechtsverletzungen im Internet aus.

Abgesehen hat man es diesmal vor allem auf die florierende Online-Erotikbranche. Wie aus einem Bericht des Wall Street Journal hervorgeht, haben sich gleich 15 Plattenlabel zusammengetan und vor einem kalifornischen Bezirksgericht in Los Angeles Klage gegen diverse Pornoseiten-Betreiber eingereicht. Grund ist die illegale Verwendung von urheberrechtlich geschütztem Songmaterial in hunderten von Schmuddel-Clips. "Die Angeklagten haben diese urheberrechtlich geschützten Soundaufnahmen und Musikkompositionen einfach gestohlen und für die Soundtrack-Untermalung ihrer eigenen pornografischen Videos verwendet, ohne sich die Lizenz oder Zustimmung der Rechtehalter zu sichern", heißt es in der vorgelegten Anklageschrift. Deren Verfasser - darunter unter anderem die Plattenlabels Warner Bros. Records und Atlantic Records - behaupten, mindestens 500 derartige Copyright-Verstöße auf den Seiten der Pornoanbieter gefunden zu haben.

Aus Sicht der Musikindustrie stellt dies eine "Rechtsverletzung der eklatantesten und schmutzigsten Art und Weise" dar. Aufgrund der Schwere des Vergehens fordern die Kläger daher die stolze Summe von 150.000 Dollar pro entdeckter illegaler Verwendung als Wiedergutmachung ein. Gerechtfertigt wird die hohe Schadensersatzforderung auch von dem immensen Imageschaden, den die betroffenen Künstler durch die Einbindung ihrer Werke in pornografisches Material erlitten haben, so die Plattenfirmen.

"Ich weiß zwar über die Details dieses Verfahrens nicht Bescheid. Prinzipiell ist es aber mehr als verständlich, dass sich Künstler und Labels dagegen wehren, wenn ihre Musik unlizenziert für Pornostreifen verwendet wird", stellt IFPI-Austria-Sprecher Thomas Böhm gegenüber pressetext klar. Im vorliegenden Fall habe man es jedoch nicht nur mit einer Copyright-Verletzung zu tun. "Dadurch entsteht ein enormer Imageschaden", bestätigt Böhm die Argumentation der US-Kollegen.

"Wir sind selbst Copyright-Inhaber und haben sehr großen Respekt vor der Durchsetzung von Schutzrechten für geistiges Eigentum", kontert Lawrence Walters, Anwalt von RK Netmedia, einem von der Klage betroffenen Pornounternehmen. Dieses beruft sich vor allem auf eine spezielle "Fair Use"-Klausel im US-Urheberrecht, die eine Verwendung von urheberrechtlich geschützten Musikstücken unter bestimmten Voraussetzungen auch ohne die ausdrückliche Genehmigung des Rechtehalters erlaubt. Walters: "Wir hoffen auf eine einvernehmliche Lösung."

(pte)

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