78410

Kinderporno-Ring im Internet aufgeflogen

Italienische und russische Behörden sind einem internationalen Kinderporno-Ring auf der Spur. Via Internet sind Bilder und Videos für bis zu 6.000 US-Dollar angeboten worden. Drei Russen gelten als Produzenten der Videos.

Die italienischen und russischen Behörden sind einem internationalen Kinderporno-Ring auf der Spur, der per Internet "Bilder von Gewalt, Folter und Mord" verbreitet hat. Einige der Opfer seien weniger als ein Jahr alt. Die Kunden der Filme säßen in Deutschland, den USA sowie Italien und Russland, berichteten das staatliche italienische Fernsehen und die russische Agentur Interfax. Für besonders grauenhafte Folterszenen seien Preise bis zu 6.000 US-Dollar (gut 13.200 Mark) gefordert worden.

Bisher nahmen die Behörden nahmen den Angaben zufolge elf Männer fest, darunter drei Russen in Moskau. Die drei Russen seien bereits Ende 1999 geschnappt worden und galten als "Produzenten" der Kinderpornos. Sie hatten nach Angaben von Interfax in einer Wohnung ein Studio eingerichtet, in dem die Video-Filme hergestellt wurden. Die bei ihnen gefundenen Kunden-Anschriften gab die russische Polizei an die zuständigen Behörden in den jeweiligen Ländern weiter. Unter anderem wegen der im Mai verkündeten Amnestie in Russland seien die drei Männer inzwischen wieder auf freiem Fuß, berichtete Interfax weiter.

Italienische Fahnder zeigten sich von der Grausamkeit der Bilder bestürzt. Unter anderem sei ein erhängtes junges Mädchen zu sehen. Andere Filme zeigten Vergewaltigungsszenen. "Die Ermittlungen hinterlassen selbst bei den Fahndern ein Gefühl der Verzweiflung", sagte ein italienischer Beamter. "Man möchte am liebsten seinen Beruf aufgeben, die Augen schließen und das Leiden vergessen."

Mutmaßlicher Chef der Bande sei ein 31-jähriger russischer Geschäftsmann aus Murmansk, verlautete in Rom. Acht Italiener seien in mehreren italienischen Städten festgenommen worden, unter anderem in Neapel, Rom und Turin. Insgesamt liefen über 1 600 Ermittlungen. Es habe über 600 Durchsuchungen in Italien und Russland gegeben.

Italienische Fahnder schätzen die Einnahmen der Bande auf insgesamt mehrere hundert Millionen US-Dollar. (PC-WELT, 28.09.2000, dpa/sw)

0 Kommentare zu diesem Artikel
78410