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"Killerspiele": Niedersachsens Innenminister fordert zwei Jahre Haft für Anbieter

13.12.2006 | 10:41 Uhr |

Sollten sich Spiele-Fans bereits beim Gesetzesentwurf des bayerischen Innenministers Dr. Günther Beckstein zum Verbot von "virtuellen Killerspielen" verwundert die Augen gerieben haben: Keine Sorge, es geht noch härter. So hat nun auch der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann einen Entwurf vorgelegt, der den bayerischen Vorschlag noch übertrifft.

Der Aufschrei in der Spielergemeinschaft nach bekannt werden des bayerischen Gesetzesentwurfs zum Verbot von "virtuellen Killerspielen" war bereits gewaltig, umso größer wird dieser vermutlich sein, wenn sich die Pläne des niedersächsischen Innenministerium herum gesprochen haben. Denn dort will man noch einen Tick härter gegen "Killerspiele" vorgehen, berichtet Spiegel Online , dem der Entwurf vorliegt.

Während der bayerische Entwurf Haftstrafen von bis zu einem Jahr oder Geldstrafe für die Verbreitung, Herstellung oder den Besitz von "Killerspielen" vorsieht, fordert Schünemann laut Spiegel "bis zu zwei Jahre Haft oder Geldstrafe". Darüber hinaus wollen die Niedersachsen den Paragraph 131 StGB nicht überarbeiten, sondern um einen konkreten Bezug auf Computerspiele ergänzen, "bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist ", zitiert der Spiegel aus dem Entwurf.

Ein weiterer, denkbarer Zusatzabsatz behandelt den Besitz und die Nutzung von "Killerspielen". Demnach sollen Personen, die sich diese Spiele beschaffen und nutzen, "mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft" werden.

Damit geht der niedersächsische Entwurf einen guten Schritt weiter, als das Pendant aus Bayern. Dort heißt es unter anderem: "Wer Computerspiele, die es den Spielern als Haupt- oder Nebenzweck ermöglichen, eine grausame oder die Menschenwürde verletzende Gewalttätigkeit gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen auszuüben, verbreitet, [...] herstellt, bezieht, liefert [...], wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bestraft."

Der Entwurf aus Niedersachsen hingegen ist so weit gefasst, dass er sich auf ausnahmslos jeden Action-Shooter anwenden ließe. De facto würde ein derartiges Gesetz nahezu jeden Spieler solcher Titel kriminalisieren. Selbst Rollenspiele wie Gothic 3 wären nach dieser Definition ein Killerspiel. Die PC-WELT hat beim niedersächsischen Innenministerium bereits um eine Stellungnahme gebeten. Sobald diese eintrifft, werden wir Sie darüber informieren.

Update 15:00 Uhr : Mittlerweile haben wir mit Klaus Engemann, Sprecher des Ministeriums, ein paar Fragen klären können. So sei weder geplant, sämtliche Actionspiele oder gar Vertreter aus anderen Genre zu verbieten. Es gehe ausschließlich um extrem brutale Shooter. Als Beispiel wurde unter GTA San Andreas genannt, bei der in einer Episode eine Kettensäge zum Einsatz kommt. Warum die derzeitige Indizierungs-Praxis nicht mehr ausreiche beantwortete Engemann mit dem Hinweis, dass deratige Titel trotz Indizierung immer noch (für Jugendliche) erhältlich seien. Daher müsse ein Verbot nach §131 StGB her, was wiederum den Zusatz um den Punkt Computerspiele nötig mache.

"Killerspiel"-Diskussion: PC-WELT befragt Dr. Günther Beckstein

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