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Auch Google-Handy kann Software automatisch deinstallieren

17.10.2008 | 14:35 Uhr |

Die Aufregung war groß, als vor einigen Wochen bekannt wurde, dass Apple im iPhone eine Funktion integriert hat, bei der über die Ferne eine auf dem Gerät installierte Software entfernt werden kann. Diesen so genannten "Kill Switch", so ist jetzt bekannt geworden, besitzen auch Handys mit Googles Android-Betriebssystem.

Steve Jobs hatte im August bestätigt, dass Apple in der Lage ist, auf einem iPhone installierte Software aus der Ferne wieder zu entfernen . Einem Entwickler war aufgefallen, dass die Geräte regelmäßig eine Apple-Website kontaktieren und er hatte den Verdacht geäußert, dass dabei die auf den Handys installierte Software überprüft werde. Dies bestätige dann schließlich einige Tage später Apple-Chef Steve Jobs persönlich. Er verteidigte die Funktion damit, dass sie der Sicherheit diene: Sollte mal über den Apple App Store eine schädliche Software verbreitet werden, so wäre man seitens Apple in der Lage, die betreffende Software wieder von den iPhones zu entfernen, auf denen sie installiert worden ist. "Wir hoffen, dass wir niemals diesen Hebel ziehen müssen, aber es wäre von uns nicht zu verantworten, wenn wir nicht einen derartigen Hebel zum Ziehen hätten", sagte Jobs damals.

Nicht nur Apple bietet mit App Store einen Marktplatz für Software für iPhones an, sondern auch Google für seine Android-Handys. In den Lizenzbestimmungen für den Android Market weist Google ausdrücklich darauf hin, dass man in der Lage sei, über die Ferne Software zu entfernen, die sich ein Google-Handy-Besitzer auf dem Gerät installiert hat. Google gewährt sich in den Lizenzbestimmungen das Recht zur Entfernung der betroffenen Software, wenn eine Software für das Android-Handy dem Entwickler-Distributionsabkommen von Google widerspricht.

Ab dem 22. Oktober wird in den USA das erste Handy mit Googles Android-Software erhältlich sein: Das T-Mobile G1. Besitzer des Handys können auf den Android Market zugreifen und sich dort neue Software herunterladen.


Immerhin musste - anders als im Fall Apple - nicht jemand per Zufall auf die "Kill Switch"-Funktion stoßen, sondern Google selbst weist darauf hin, wenn man alle Lizenzbestimmungen genau studiert. Außerdem will Google in Fällen, in denen Software von den Google-Handys entfernt werden muss, den Besitzern das Geld, das sie für die Software gezahlt hatten, zurückzahlen. Dieses Geld will sich Google dazu direkt von den Entwicklern holen, die die Software entwickelt hatten, die entfernt werden musste. Dazu, so heißt es seitens Google, solle jede vertretbare Anstrengung übernommen werden. Sollte es Google nicht möglich sein, das gesamte Geld, dass Google-Handy-Nutzer an die Software-Entwickler gezahlt hatten, zurückzukriegen, dann solle zumindest der Betrag an alle Käufer ausgeschüttet werden, den man von den Entwicklern kriegen konnte.

Aus einem weiteren Grund ist die "Kill Switch"-Funktion durchaus sinnvoll bei den Google Handys: Bei Apples App Store werden die Applikationen vorher von Apple getestet, bevor sie zum Verkauf und Download angeboten werden. Googles Android Market präsentiert sich dagegen offener, so dass es hier durchaus dazu kommen könnte, dass ein Angreifer versucht, schädliche Software zu verbreiten. In diesen Fällen müsste Google in der Lage sein, die Software wieder automatisch von den angegriffenen Geräten zu entfernen.

Bisher sind ohnehin alle bei Googles Android Market verfügbaren Applikationen gratis. Später will Google Entwicklern die Möglichkeit bieten, mit ihren Produkten über den Online-Marktplatz Geld zu verdienen.

In den Nutzungsbestimmungen weist Google außerdem Anwender darauf hin, dass alle über den Marktplatz verbreiteten Software-Produkte beispielsweise nicht in Nuklear-Kraftwerken, Flugzeugen oder Notfall-Umgebungen genutzt werden dürfen. "Keines der Produkte sollte in Tätigkeiten eingesetzt werden, bei denen das Scheitern des Produktes zum Tode, einer Verletzung oder zu ernsten physischen Schäden oder Umweltschäden führen könnte", heißt es in den Nutzungsbestimmungen.

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