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Spendenportal für Künstler und Abenteurer

29.08.2009 | 15:23 Uhr |

Die US-amerikanische Website Kickstarter hilft aufstrebenden Künstlern, ehrgeizigen Start-up-Unternehmern oder schlichtweg Abenteuerlustigen dabei, ihre diversen Lebensprojekte zu finanzieren. So findet sich auf der Seite etwa eine Frau, die mit ihrem Boot in 24 Monaten um die Welt segeln will. Ein anderer Nutzer will wiederum ein Album mit Songs veröffentlichen, die sich ausschließlich um bizarr anmutende Tiere wie dem australischen Kaninchennasenbeutler drehen.

Oder Julianna Barwick, eine junge Musikerin, die sich so sehr wünscht, ihre EP auf Vinyl-Format zu bringen. Alle drei "Bittsteller" haben eines gemeinsam: Um ihre ehrgeizigen Pläne zu finanzieren, brauchen sie Geld. Ihre potenziellen Mäzene auf Kickstarter sind jedoch in der Regel keine Plattenfirmen, Buchverlage oder Risikokapitalgesellschaften. Der Finanzierungszuschuss kommt von verschiedenen Mitgliedern der Plattform bzw. Fans und Freunden der Spendenaufrufer selbst.

Kickstarter fungiert zum einen als Spenden- und Verkaufsplattform. Zum anderen setzen es Firmen für Testzwecke ein, um zum Beispiel die Nachfrage nach einem neu erscheinenden Album einer Band besser abschätzen können. Eine der ersten Nutznießer des innovativen Finanzierungsprojekts war das Indie-Label PolyVinyl Records , das die Albumveröffentlichungen der beiden Bands "of Montreal" und "Asobi Seksu" über die Plattform abgewickelt hat. "Einer der ersten Gedanken, die wir uns als Label machten, war, genau herauszufinden welche Sachen die Leute bereit sind zu kaufen", sagt Matt Lansford, Vizepräsident der Plattenfirma, in der New York Times. So hat PolyVinyl etwa überschüssige Alben, die noch dazu hohe Lagerkosten verursachten, zum Schleuderpreis auf Kickstarter verkauft. Gerechnet hat man dabei mit Einnahmen von etwa 1.000 Dollar, im Endeffekt sind es 15.000 geworden. Die Verkäufe der übrig gebliebenen CDs via Kickstarter wurden vor allem durch die virale Verbreitung auf Twitter und diversen Musikblogs angeheizt.

Die Projektinitiatoren brauchen jedoch einiges an Überzeugungskraft, um die kritische Gönner-Community für sich zu gewinnen. Der Schriftsteller Robin Sloan aus San Francisco dürfte es richtig angestellt haben. Derzeit bittet er auf Kickstarter um Geldzuschüsse für den Druck seiner neuen Detektivstory. Je mehr Nutzer ein Exemplar des Buchs vorbestellen, desto höher wird auch die Druckqualität der bestellten Exemplare ausfallen, schreibt Sloan auf seiner Projektseite . Als Kostprobe seines schriftstellerischen Talents bietet der Kalifornier eine Kurzgeschichte von ihm zur kostenlosen Ansicht sowie ein paar Hinweise zur kommenden Story an. Bis 1. November will der Autor auf diesem Wege 3.500 Dollar an privaten Fördergeldern für sein Buchprojekt auftreiben. Bereits jetzt sind jedoch schon mehr als 2.400 Dollar von 80 Förderern bei ihm eingegangen.

Die interaktive und virale Natur des Internets bietet jungen Talenten auf jeden Fall vielseitige Möglichkeiten, um sich selbst zu präsentieren und an Fördergelder zu gelangen. Jens Klopp vom Institut für Kultur- und Medienmanagement in Hamburg , bestätigt im Gespräch mit pressetext den Trend, wonach Selbstmanagement und Vermarktung speziell für Musiker immer bedeutender wird. Die alten Strukturen der Plattenbranche seien für viele einfach nicht mehr attraktiv. "Selbstverantwortliche Künstler müssen sich für ihre Projekte eine eigene Marketingstrategie überlegen und müssen zunehmend wie Unternehmer agieren. Die musikalische Originalität kann darunter allerdings leiden", so Klopp. Investitionsmodelle wie jenes von Kickstarter hätten laut dem Popmusik-Experten durchaus Vorschusslobeeren verdient: "Fans und Musiker könnten dadurch noch näher zusammenrücken. Voraussetzung ist jedoch, dass zwischen den beiden Gruppen ein Wertaustausch erfolgt." Laut Klopp sollten die Förderer der Künstler für ihre Geldspenden demnach auch "ideelle Gegenleistungen" erhalten. "Die Community rund um eine Musikgruppe bildet sich oft aufgrund einer gemeinsamen Lebenseinstellung. Wenn Kickstarter dieses Gefühl verstärken kann, ist es auf jeden Fall ein interessantes Geschäftsmodell", so Klopp. (pte)

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