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Mobiles Breitband wird Festnetz verdrängen

15.10.2008 | 13:35 Uhr |

Im Jahr 2013 werden 47 Prozent aller Breitband-Kunden in Europa mobiles Breitband nutzen. Knapp ein Viertel der Kunden wird bereits gänzlich ohne Festnetz-Internetzugang auskommen.

Zu diesem Ausblick gelangt ein Report, den das britische Telekom-Beratungsunternehmen Analysys Mason veröffentlicht hat. "Festnetz-Betreiber unterschätzen das Ausmaß der Bedrohung durch mobiles Breitband", so der Hauptautor Rupert Wood. Wie schon bei der Sprachtelefonie wird das Festnetz vom mobilen Zugang verdrängt werden.

Bereits jetzt macht nach Zahlen von Analysys Mason mobiles Breitband in einigen europäischen Märkten fast 20 Prozent der Zugänge aus, in Österreich seien sogar schon 30 Prozent erreicht. Es zeichne sich ab, dass Konsumenten mobiles Breitband als Ersatz für Festnetz-Zugänge nutzen. Die Zahl der DSL-Neuanschlüsse sei rückläufig und mobile Breitband-Angebote würden oft mit vergleichsweise günstigeren Preisen locken. Das Marktpotenzial für Mobilfunk-Betreiber sei groß, so das Beratungsunternehmen. Denn knapp die Hälfte der aktuellen Kunden leitungsgebundener Breitbanddienste habe Nutzungsprofile, bei denen die Durchschnittsnutzung mobilen Breitbands nicht überstiegen wird.

Ein Hindernis für mobiles Breitband könnten die realen Download-Raten werden. Österreich gilt bei mobilem Breitband als Vorreiter. Die österreichische Arbeiterkammer hat jedoch diese Woche einen Test veröffentlicht, der Geschwindigkeitsprobleme aufzeigt. Angebote, die HSDPA mit bis zu 3,6 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) versprechen, bieten demnach im Mittel nur reale Download-Raten von rund einem Mbit/s. Einen Ausbau der Netzwerkkapazitäten zur Sicherung der Servicequalität sieht auch Analysys Mason als wichtigen Faktor für den Erfolg mobilen Breitbands. Dabei sei wichtig, dass die Netzwerkkosten nicht mit den exponenziell wachsenden Bandbreiten-Anforderungen steigen. "Kurzfristig sollten Netzwerkbetreiber das Traffic-Volumen im Privatkundenbereich kontrollieren, indem sie Kunden gewinnen, die keine hohe Belastung für die Netzwerke bedeuten", meint Analysys-Mason-Analyst Matt Hatton.

DSL-Angebote für Privatkunden könnten aufgrund der höheren Endkunden-Kosten gegenüber mobilem Breitband das Nachsehen haben und das, obwohl sie insgesamt ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten, so Analysys Mason. Allerdings würden sich für Festnetzanbieter neue Möglichkeiten auftun. "Die Betreiber sollten sich eher den schnell wachsenden Chancen im Großhandelsbereich zuwenden und Backhaul- sowie Plattforminfrastruktur anbieten, die Anbieter von mobilem Breitband dringend benötigen", meint Wood.

Der Report "Mobile broadbad: another substitution threat for fixed operators?" befasst sich im Detail mit der Nutzung mobiler Breitbanddienste in insgesamt 26 europäischen Ländern und gibt Entwicklungsvorhersagen ab. (pte)

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