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Kaufberatung: Megapixel-Foto-Handys

01.06.2004 | 11:27 Uhr |

Die Megapixel-Handys sind da. Als Telefon? Gut. Ob man mit ihnen aber auch wirklich ordentliche Bilder machen kann, zeigt unser Test.

FINDER: WELCHES FOTO-HANDY BRAUCHEN SIE?

MOBIL-NUTZER Bilder verschicken Sie per Mobilnetz oder verwenden Sie auf dem Handy.
> Innostream Inno 90, Siemens ST60

DIREKT-KONTAKTER Sie wollen Handy-Fotos mit Freunden vor Ort per Infrarot-Verbindung austauschen.
> Nokia 6230, Sagem myV-75, Sony Ericsson T630

ALLROUNDER Sie brauchen ein universelles Komfort-Handy, mit dem auch mal Schnappschüsse gelingen.
> Nokia 6230

BILDER-SAMMLER Unterwegs möchten Sie jederzeit halbwegs brauchbare Fotos schießen können.
> Sharp GX30

Die Tage der Digitalkamera sind gezählt - zumindest aus der Sicht der Mobilfunk-Netzbetreiber und Handy-Hersteller. Denn sie wollen das Handy zur stets griffbereiten Minikamera aufwerten: Schnappschüsse aus jeder Lebenslage und dann - da klingelt die Kasse - in alle Welt verschicken, als MMS oder echte Urlaubspostkarte, die schon am nächsten Tag in Omas Briefkasten landet. Mit stetig steigender Pixelzahl wachsen Bildauflösung und die Chance, gute Abzüge von Handy-Bildern aus dem Labor zu bekommen: Foto-Handys mit Auflösungen unter VGA (640 x 480 Bildpunkte) sind out; wir hatten bereits das erste Megapixel-Handy (1144 x 856) im Test. Aber: Noch sind die Foto-Handys qualitativ meilenweit von aktuellen Digicams entfernt. Denn der Platz reicht nur für Mini-Objektive mit Festbrennweite, deren Schärfe und Blende sich nicht oder kaum variieren lässt, von einem richtigen Blitzlicht für Nachtaufnahmen ganz zu schweigen.

High-Tech auf kleinstem Raum Erstaunlich ist dennoch, wie immer mehr technische Leckerbissen auf engstem Raum Platz finden. Das ultraflache Samsung SGHX600 wiegt gerade mal 78 Gramm, selbst das schwerste der sieben getesteten Geräte, das GX30 von Sharp, ist mit 111 Gramm wirklich tragbar. Es beansprucht zusammengeklappt zwar 27 mm in der Hosentasche, hat dafür aber das mit Abstand größte Display: 34 x 45 mm mit 320 x 240 Pixeln in 262.144 Farben - das ist noch nicht Truecolor (siehe Lexikon ), wie von PC-Monitoren gewohnt, aber schon recht brillant.

Ebenso farbstark ist das Innendisplay des Klapp-Handys Inno 90. Allerdings hat sich der im deutschen Markt neue koreanische Hersteller Innostream mit 160 x 128 Pixeln zufrieden gegeben. Diese für Foto-Handys gerade noch brauchbare Auflösung verwenden mit immerhin noch 65.536 darstellbaren Farben auch das 106 Gramm schwere Sagem myV-75 und das 93 Gramm leichte Sony Ericsson T630. Mit 160 x 120 Pixeln folgt dicht dahinter das ST60 von Siemens. Abgeschlagen platzieren sich die Displays vom Nokia 6230 und Samsung SGH-X600 am Ende des Testfelds - sie weisen nur 128 x 128 Pixel auf und sind mit aktiven Flächen von rund 28 x 28 mm für Foto-Handys fast zu klein. Sehr erfreulich ist, dass die Handys von Innostream und Sharp trotz Klappdeckelprinzip auch mit geschlossener Klappe alle wichtigen Informationen liefern.

Denn beide Geräte zeigen auf den kleinen Außendisplays mit 65.536 Farben beispielsweise Nummer oder Name eines Anrufers. Schade allerdings, dass das Statusdisplay des Inno 90 im Stand-by-Betrieb nicht kontinuierlich sichtbar bleibt. Die rund 15 x 20 mm kleinen Außenanzeigen dienen ansonsten als praktische Helfer für Selbstportraits. Sagem, Siemens und Sony Ericsson arbeiten statt dessen schlicht und simpel jeweils mit einem Spiegelchen in der Nähe der Linse. Samsung erleichtert Selbstportraits, indem sich die Minikamera als einzige drehen lässt. Lediglich das Nokia macht Selbstaufnahmen mangels Bildkontrolle zu einem Glücksspiel.

Bildqualität kein Hochgenuss

Die erste Foto-Handy-Generation schaffte eine Bildauflösung von 352 x 288 Pixeln (also nur 0,1 Megapixel), was in üblicher Druckauflösung (300 dpi) gerade mal für Briefmarkengröße (30 x 24 mm) reicht. Die jetzt aktuelle zweite Generation kommt auf 640 x 480 Pixel oder 0,3 Megapixel - das ist Passbildformat (54 x 40 mm) und akzeptabel für formatfüllende Schnappschüsse von Personen. Landschafts- oder Naturaufnahmen machen jedoch keine Freude, weil Details untergehen.

Die Farben sind zwar teilweise schon recht brauchbar, aber mit starken Kontrasten im Sonnenlicht hatten alle Foto-Handys im Test Probleme. Absolut sinnlos ist die im T630 von Sony Ericsson zuschaltbare Pixel-Interpolation, die die Auflösung zu verdreifachen scheint. Das Ergebnis entzückt nur den Netzbetreiber: Eine MMS kostet statt 39 Cent (oder netzübergreifend 59 Cent) dann 99 Cent, weil sie dank des aufgeblasenen Bildes über der 30-KB-Grenze liegt. Zu hohe Datenmengen stoßen beim MMS-Versand übrigens an Grenzen - die Netzbetreiber erlauben derzeit maximal 100 KB. Das Samsung-Handy ist sogar nur auf 80 KB ausgelegt, so dass wir im Superfein-Modus aufgenommene Bilder nicht per MMS versenden konnten - nachträgliches Verkleinern geht leider auch nicht.

Neue Generation mit einem Megapixel

Das GX30 von Sharp ist das erste in Deutschland lieferbare Foto-Handy der dritten Generation mit einem Megapixel-Bildsensor. Er liefert Aufnahmen mit bis zu 1144 x 858 Pixeln - also durchaus hochwertige Foto-Abzüge in immerhin 97 x 72 mm oder einigermaßen schöne Tintenstrahlausdrucke (200 dpi) im Bildformat 10 x 15 cm. Pixelsparer nutzen die Auflösungen 1024 x 768 , 640 x 480, 320 x 240 oder 160 x 120. Auch die Qualität des Bildsensors ist im Vergleich zu den anderen Foto-Handys deutlich besser. Das GX30 kommt mit starken Kontrasten und grellem Tageslicht halbwegs klar. Zudem hatte es als einziges einen Umschalter für Makro-Aufnahmen ab etwa 5 cm oder Normalaufnahmen ab 40 cm. Die Megapixel-Power kollidiert natürlich mit der 100-KB-Grenze für den MMS-Versand, da eine solche Bilddatei immerhin rund 160 bis 200 KB Speicherplatz benötigt. In Fotobotschaften reduziert Sharp daher die Auflösung automatisch. Im Test sank sie auf rund ein Viertel (584 x 428 Pixel), die Datenmenge auf weniger als die Hälfte (etwa 72 KB).

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