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Kartennotruf startet ohne Privatbanken und Handy-Provider

Um ihr Plastikgeld sperren zu lassen, müssen sich die meisten Besitzer von Bankkarten demnächst nur noch eine Nummer merken.

Die meisten Besitzer von Bankkarten müssen sich demnächst nur noch eine Nummer merken, um ihr Plastikgeld sperren zu lassen. Zwar ist zum offiziellen Start des neuen Kartennotrufs 116 116 am Freitag (1. Juli) keine einzige Privatbank dabei, doch mit den Sparkassen sowie den Volks- und Raiffeisenbanken haben sich die Institute mit den großen Kundenstämmen dem neuartigen Service angeschlossen. Etwa drei Viertel der rund 110 Millionen in Deutschland umlaufenden Kredit- und Debitkarten (früher EC-Karten) können künftig über die kostenfreie Nummer 116 116 gesperrt werden.

Der von der Frankfurter "Sperr-Notruf 116 116 GmbH" betriebene Notruf arbeitet im Kern als Telefon-Vermittlung zu den verschiedenen Karten-Ausgebern, erläutert Geschäftsführer Michael Denck. Die Anrufe werden von den Mitarbeitern zweier Callcenter in Wilhelmshaven und Magdeburg entgegengenommen, die mit den Anrufern zunächst eine Liste der verschwundenen Karten erstellen. Danach sollen die Hilfesuchenden hintereinander mit den eigentlichen Sperrstellen verbunden werden. Die 116 116 ist mit der National-Vorwahl 0049 auch aus dem Ausland erreichbar.

Der unter anderem von der Bundesregierung, der Deutschen Telekom und Bertelsmann unterstützte Service könnte auch für Sperren von verschwundenen Handy-Karten, Krankenkassenkarten und anderen empfindlichen Zugangsmedien verwendet werden, doch zum Auftakt sind nach Firmenangaben noch keinerlei Verträge unter Dach und Fach.

Wie die wichtigen Handy-Netzbetreiber und die Kreditkartenfirmen bis auf American Express halten sich auch die Großbanken bislang zurück: "Wir schauen uns das wohlwollend im laufenden Betrieb an", sagt zum Beispiel Beate Schlosser von der Commerzbank. Auch beim Branchenführer Deutsche Bank heißt es lediglich: "Wir prüfen noch." Hinter den offiziellen Sprachregelungen verhandeln die Privaten noch um die entstehenden Kosten und Haftungsfragen.

"Die einheitliche Nummer ist für den Verbraucher eindeutig etwas Gutes", sagt Manfred Westphal, Leiter des Fachbereichs Finanzdienstleistungen der Verbraucherschutz-Bundeszentrale in Berlin. Er könne die Zurückhaltung der Privatbanken nicht verstehen, zumal es nur um kleine Summen gehe. Nach dem Geschäftsmodell will die GmbH pro Vermittlungsvorgang 1,60 Euro kassieren. Bei den Banken, die teilweise selbst 24-Stunden-Hotlines unterhalten, ist man hingegen noch nicht von dem zusätzlichen Nutzen einer vorgeschalteten Nummer überzeugt. Die eigene Infrastruktur müsse schließlich weiterhin aufrechterhalten werden.

Die Genossenschaftsbanken haben sich zwar dem neuen System angeschlossen, verweisen aber auf die weiterhin bestehenden bisherigen Notrufnummern, wie etwa die 01805-021 021 für alle Debitkarten. Ohnehin meldeten sich rund 80 Prozent der Kunden nach einem Kartenverlust bei ihrem persönlichen Bankberater, erklärte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR). Und das werde auch so bleiben.

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