61242

Kampf um Internet-Zwillinge verschärft sich

21.01.2001 | 15:28 Uhr |

Im Fall der doppelt verkauften Internet-Adoptivkinder zeichnet sich auf beiden Seiten des Atlantiks ein zäher Kampf vor Gericht ab. Die britische Regierung will so schnell wie möglich ein neues Adoptionsgesetz im Parlament einbringen.

Im Fall der doppelt verkauften Internet-Adoptivkinder zeichnet sich auf beiden Seiten des Atlantiks ein zäher Kampf vor Gericht ab. Die britische Regierung will so schnell wie möglich ein neues Adoptionsgesetz im Parlament einbringen.

Danach sollen Paare, die ohne Absprache mit den britischen Behörden im Ausland Kinder adoptieren, mit drei Monaten Gefängnis bestraft werden.

Die britischen Adoptiveltern der Internet-Zwillinge, Alan (45) und Judith Kilshaw (47), kündigten am Wochenende an, sie würden für das Sorgerecht notfalls durch alle Instanzen gehen. Sie wollen verhindern, dass das Jugendamt die Vormundschaft bekommt. Am Dienstag soll sich der britische High Court erstmals mit dem Fall beschäftigen. Doch auch amerikanische Gerichte wollen sich einschalten. Ellen Brantley, eine leitende Richterin im US-Bundesstaat Arkansas, bezeichnete es als "wahrscheinlich", dass das Adoptionsverfahren neu geprüft werde. Es sei möglich, dass die Adoption dann für ungültig erklärt werde.

Mrs. Kilshaw will jedoch nicht nachgeben: "Alan und ich werden weiterkämpfen", sagte sie. "Wir sind sehr stark. Wir werden unser Bestes tun, um die Mädchen zurückzubekommen."

Mehrere Zeitungen berichteten, dass Mrs. Kilshaw vor der Internet-Adoption ihre 22-jährige Tochter bedrängt habe, für sie ein Kind auszutragen. Das habe diese aber abgelehnt. "News of the World" zitierte die Adoptionsmutter am Sonntag mit den Worten: "Ich werde die schärfsten Formen von schwarzer Magie nutzen, um meine Zwillinge zurückzubekommen." Damit könne sie "Leben, politische Karrieren und Geschäfte" all derer ruinieren, die sich ihr in den Weg stellten.

Das Ehepaar Kilshaw hatte sich die amerikanischen Kinder für 8 200 Pfund (24 600 Mark) über eine Adoptionsagentur im Internet vermitteln lassen. Als die Kilshaws die Kinder nach Großbritannien holten, waren diese aber schon von einem Ehepaar in Kalifornien, Vickie und Richard Allen, adoptiert worden. Da diese aber nur 6 000 Dollar (12 000 Mark) bezahlt hatten, hatte die Leiterin der Adoptionsagentur die leibliche Mutter überredet, die Zwillinge den Allens unter einem Vorwand wieder wegzunehmen und sie stattdessen zu den besser zahlenden Kilshaws zu geben.

Inzwischen will die Mutter, die 28-jährige Hotelrezeptionistin Tranda Wecker aus St. Louis (Missouri), ihre Kinder aber wieder zurückhaben. Doch auch die Allens wollen klagen. Nachdem der Fall weltweit Schlagzeilen gemacht hatte, nahmen die britischen Behörden die Kinder am Donnerstag in ihre Obhut. Sie wurden einer Pflegefamilie anvertraut.

In Großbritannien hat unterdessen eine Diskussion über die strengen Adoptionsbestimmungen für britische Kinder eingesetzt. "Dies ist eine Geschichte, von der einem schlecht wird, und schuld daran sind die Hindernisse, die die Behörden in diesem Land Adoptionswilligen in den Weg legen", kritisierte der konservative "Daily Telegraph". Weil die Anforderungen in Großbritannien kaum noch erfüllbar seien, sähen sich immer mehr Adoptionswillige im Ausland um. Dagegen forderte der "Guardian" die USA auf, private Adoptionen ohne Aufsicht des Jugendamtes zu verbieten. "Diese traurige Geschichte zeigt nur, was passiert, wenn bei einem Adoptionsverfahren das Interesse der Kinder nicht an die erste Stelle gesetzt wird." (PC-WELT, 21.01.2001, dpa/ pk)

Babyhandel im Internet (PC-WELT Online, 19.01.2001)

`Netbaby`: Live-Geburt im Netz (PC-WELT Online, 05.07.2000)

Ebay stoppt Baby-Versteigerung (PC-WELT Online, 07.09.1999)

0 Kommentare zu diesem Artikel
61242