253799

Kampf gegen Internet-Zensur: Teilerfolg für Reporter ohne Grenzen

Einflussreiche, weltweit agierende Investoren wollen künftig die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen unterstützen - ein Teilerfolg im Kampf gegen Zensur im Internet.

Die Menschenrechtsorganisation Reporter ohne Grenzen kann im Kampf gegen Zensur im Internet einen Teilerfolg verbuchen. Sie erhält künftig Unterstützung von einflussreichen, weltweit agierenden Investoren. Insgesamt 25 US-amerikanische, kanadische, australische und europäische Investmentfonds haben sich verpflichtet, bei ihren Investitionen auf die Wahrung der Meinungsfreiheit im Internet zu achten, teilte Reporter ohne Grenzen am Dienstag in Berlin mit. Die Fonds verwalten den Angaben zufolge insgesamt weltweit Anlagen über mehr als 20 Milliarden Dollar.

In einer gemeinsamen Erklärung sagten die Unternehmen zu, die Geschäfte von Internetfirmen in Ländern mit repressiven Regierungen zu beobachten und ihre Investitionen künftig entsprechend zu prüfen. Ziel der Aktion sind umstrittene Geschäftsverhalten von Unternehmen wie Yahoo!, Cisco Systems, Google und Microsoft. Ihnen wird vorgeworfen, in Ländern wie China, Tunesien oder Myanmar (Birma) mit den Behörden bei der Überwachung des Internets zusammen zu arbeiten.

Zuletzt hatte die Verurteilung des systemkritischen chinesischen Journalisten Shi Tao zu heftigen Proteste weltweit geführt. Shi war auf der Basis von E-Mail-Daten, die Yahoo! den Behörden herausgegeben hatte, zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Auch Microsoft soll eine zensierte Version einer Weblog-Software für Internet-Tagebücher an China geliefert haben. Dem Suchmaschinen-Betreiber Google wird vorgeworfen, bestimmte Internet-Seiten zum Thema Menschenrechte in China auf Wunsch der dortigen Regierung aus den Trefferlisten herausgefiltert und durch regierungskonforme Seiten ersetzt zu haben.

Zur Gruppe der Investmentfonds, die der Erklärung zustimmten, gehören nach Angaben der Organisation die US-Firmen Boston Common Asset Management und Domini Social Investment als erste Unterstützer. Aus Europa kommt mit der Schweizer Fondation Ethos allerdings bislang nur ein Unternehmen.

0 Kommentare zu diesem Artikel
253799