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Kamera mit Fliegenauge

23.09.2005 | 19:45 Uhr |

Die Welt durch die Augen einer Fliege zu sehen – Wissenschaftler glauben, dass es dafür gute Gründe gibt.

Noch etwas verschwommen und durchsetzt von blinden Flecken wirkt der erste Blick aus dem Prototyp einer Facettenaugenkamera, den das künstliche Insektenauge auf seinen Schöpfer Jacques Duparré wirft. Der Diplom-Physiker arbeitet am Fraunhofer-Institut für Angewandte Optik und Feinmechanik (IOF) in Jena. Dort hat er ein Quadrat aus 128 x 128 Linsenelementen über ein passendes Feld Lichtsensoren geschichtet und damit ein flaches Komplexauge nachgebildet.

Vielversprechende Prototypen

Dr. Frankenstein ist hier allerdings nicht am Werk. Ziel ist es nicht, das Auge einer Fliege zu kopieren, sondern eine nur wenige zehntel Millimeter flache Kamera zu bauen. „Unsere neueren Prototypen sind bereits dünner als 0,4 Millimeter“, verrät Andreas Bräuer, der am IOF den Bereich Mikrooptik leitet. Das ist etwa so dick wie drei Seiten Kopierpapier. Die optischen Systeme von Handy-Kameras liegen derzeit bestenfalls bei sieben Millimeter Länge. Wer derzeit flache Digicams bauen will, setzt am Material der Linsen an: Je stärker es das Licht fokussiert, desto kürzer fällt die Optik aus. Doch der Spielraum ist in der Praxis sehr eng. In Glas erreicht die Lichtbrechung Werte zwischen 1,5 und etwa 1,9. Ein High-Tech-Material brachte in jüngster Zeit immerhin den Sprung auf 2,08. Casio setzt in seiner Exilim Card EXS100 zum ersten Mal eine Linse ein, die statt aus Glas aus durchsichtiger Keramik besteht. Das verkürzt die Optik um etwa 20 Prozent, so dass die Digicam nicht einmal mehr 17 Millimeter dick ist.

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