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Jugendschutz per Gratis-Internet-Filter

29.08.2000 | 17:38 Uhr |

Um den Jugendschutz im Internet besser Gewähr leisten zu können, entwickelt die Internet Content Rating Association (ICRA) ein spezielles Filtersystem für Browser. Das Bundeskriminalamt hat dazu nun - ebenso wie die amerikanische Anti Defamation League - eine schwarze Liste von rechtsextremen Websites beigesteuert.

Um den Jugendschutz im Internet besser Gewähr leisten zu können, entwickelt die Internet Content Rating Association (ICRA) ein spezielles Filtersystem für Browser. Das Bundeskriminalamt hat dazu nun - ebenso wie die amerikanische Anti Defamation League (ADL) - eine schwarze Liste von rechtsextremen Websites beigesteuert.

Die ICRA wurde 1999 als unabhängige Non-Profit-Organisation gemeinsam von der Bertelsmann Stiftung und führenden Internet- und Medienunternehmen wie etwa T-Online, AOL, Microsoft und IBM gegründet. "ICRA hat es sich zum Ziel gesetzt, kostenlos weltweit allen Internetnutzern ein Filtersystem für Internetseiten zur Verfügung zu stellen", erläutert Dr. Marcel Machill, Projektleiter Medienpolitik der Bertelsmann Stiftung gegenüber PC-WELT.

Das Filtersystem, das erstmals am 8. September auf einer Konferenz der Bertelsmann Stiftung vorgestellt werden soll, basiert auf zwei Grundprinzipien. "Zum Einen auf der Idee der Selbstklassifizierung", so Machill. Die Websitebetreiber ordnen ihre Sites dabei selbst in für Kinder geeignete oder ungeeignete Kategorien ein. Rund 145.000 Websites sind laut Machill bereits auf diese Weise gekennzeichnet. "Wir werden es jedoch nie erreichen, dass sich alle oder sehr sehr viele Websites selbst klassifizieren", gibt Machill zu bedenken. "Schwierig wird es etwa bei Anbietern von Nazi-Propaganda."

Deshalb sollen auf der anderen Seite so genannte schwarze Listen bestimmte Seiten automatisch ausfiltern. "Zwei sehr wertvolle schwarze Listen haben wir nun an Bord", so Machill gegenüber PC-WELT weiter. "Zum einen die des Bundeskriminalamtes, die uns vertraulich gegeben wurde, und zum anderen die der international anerkannten Anti Defamation League, kurz ADL." Die Negativliste des BKA umfasst rund 300 internationale Websites mit rechtsextremen Inhalten.

Beim Internet-Filter der ICRA handelt es sich nicht um eine extra Software: "Höchstwahrscheinlich wird der Filter in den neuen Browsern von Microsoft und Netscape integriert sein", erläutert Machill. "Dabei handelt es sich also eigentlich eher um eine Filterarchitektur, eine Plattform, auf der sich unterschiedliche Filteroptionen aktivieren lassen."

Eltern können so das Risiko, dass ihre Kinder auf schädliche Seiten stoßen, minimieren, so Machill. Auch den Verdacht auf Zensur lässt er nicht gelten: "Gleichzeitig verhindern wir staatliche Zensur im Internet, denn es bleibt den Eltern überlassen, ob sie das Filtersystem aktivieren." Auch könnten die Filteroptionen individuell ausgewählt werden, die Nutzer könnten also für sich selbst entscheiden, ob sie etwa der Auswahl des BKA vertrauen oder nicht. Bereits im Frühjahr 2001 soll Eltern außerdem eine ganze Bibliothek an Filteroptionen zur Verfügung stehen. (PC-WELT, 29.08.2000, lmd)

Projekt "Jugendschutz und Selbstregulierung im Internet"

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