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Bessere Text-Qualität im Internetzeitalter

19.09.2009 | 13:26 Uhr |

Moderne Kommunikationstechnologien wie das Internet haben den Journalismus gravierend verändert. Trotz des oft eher ambivalenten Verhältnisses der journalistischen Akteure zum Web, glauben 40 Prozent dieser Berufsgruppe in Europa, dass sich die Qualität des Journalismus im Laufe der vergangenen zwei Jahre durchwegs verbessert hat.

Lediglich einer in fünf Befragten sieht dies anders und meint, eine qualitative Verschlechterung bemerkt zu haben. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommt der aktuell veröffentlichte European Digital Journalism Survey 2009 , der insgesamt 350 Journalisten aus ganz Europa zum Einfluss des Internets auf die Branche befragt hat. Dass die aufgrund von Finanzkrise und Werberezession entstandenen wirtschaftlichen Probleme in den Medienhäusern viele Journalisten um ihre Jobs fürchten lassen, scheint der Stimmung innerhalb des Sektors nicht zu schaden. So gaben 84 Prozent der Journalisten an, heute glücklicher oder zumindest gleich glücklich in ihrer Arbeit zu sein als vor zwei Jahren.

"Derzeit geht in vielen deutschen Medienunternehmen die Angst vor weiteren Einsparungen und Stellenstreichungen um. Die Stimmung ist schlecht", erklärt Eva Werner, stellvertretende Pressesprecherin des Deutschen Journalisten-Verbandes ( DJV ), auf Nachfrage von pressetext. Dadurch, dass insbesondere in den letzten Monaten in vielen Bereichen Stellen gestrichen worden und Aufträge an Freie weggefallen seien, werde die Arbeitsbelastung für die verbleibenden Journalisten häufig noch höher sein als sie ohnehin schon war. "Immer wieder berichten uns unsere Mitglieder, dass sie keine Zeit mehr für gründlich recherchierte Geschichten haben. Diese Entwicklung ist sehr bedauerlich. Die Verleger sind jetzt in der Pflicht. Deren Sparpolitik muss ein Ende haben, sonst ist der Qualitätsjournalismus in Gefahr", warnt Werner.

Abgesehen von der finanziellen Problematik sei aber auch zu beobachten, dass Journalisten im Internetzeitalter viel schneller arbeiten müssten als früher. "Das wird dann gefährlich, wenn deshalb nicht mehr gründlich genug recherchiert wird. Im Zweifel muss aber auch hier eine gründliche Recherche wichtiger sein als Schnelligkeit", betont Werner. Da im Netz eine derartige Fülle an Berichten und Meldungen zu allen erdenklichen Themen zu finden sei, bestehe zudem die Gefahr, dass Journalisten die dort gefundenen Informationen einfach ungeprüft übernehmen, statt sich die Mühe zu machen und selbst vor Ort zu recherchieren. "Dann geht die Originalität der Geschichten verloren und der Journalismus leidet", kritisiert Werner.

Die von der stellvertretenden DJV-Sprecherin angeführten Entwicklungen werden auch in der europaweiten Untersuchung bestätigt. Demnach macht sich ein Drittel der befragten Journalisten ernsthaft Sorgen um den weiteren Fortbestand des eigenen traditionellen Medienkanals. Einer von fünf gab sogar an, dass die eigene Publikation bereits der Wirtschaftkrise und ihren Folgen zum Opfer gefallen sei. Einen Ausweg aus der gegenwärtigen Misere sieht die Mehrheit dabei vor allem in einem gesteigerten Online-Engagement. Rund zehn Prozent der Journalisten gaben an, dass ihr Medium sich ohnehin bereits vollständig ins Web verlagert habe. "Informationsangebote im Internet werden immer wichtiger, deshalb ist davon auszugehen, dass die Zahl der Online-Auftritte weiter steigen wird. Bisher ist es aber Fakt, dass sich mit den meisten Online-Medien noch kein Geld verdienen lässt", so Werner abschließend. (pte)

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