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JavaFX: Flash-Konkurrent von Sun mit neuer Skriptsprache

10.05.2007 | 19:45 Uhr

Nach Microsoft kündigt auch Sun an, auf dem Markt für browserintegrierte Applikationsplattformen mitmischen zu wollen.

"Alles, was Entwicklern die Arbeit erleichtert, um tiefgründige Benutzeroberflächen fürs Internet zu gestalten, geht in die richtige Richtung". Dieses Zitat stammt von Jeffrey Hammond, einem Analysten von Forrester Research. Er sagte es im Rahmen der JavaOne 2007 und beschreibt mit ihm ziemlich gut, was Sun demnächst geneigten Java-Entwicklern an die Hand geben will: JavaFX. Eine Plattform, mit der sich ganz einfach das realisieren lässt, was viele Web2.0-Entwickler programmieren wollen, nämlich sogenannte "Rich Internet Applications"; kurz gesagt Programme, die optisch nicht nach Internet (sondern nach Konsolenspiel) aussehen und sich nicht nach Webformular anfühlen. Im Kern ist JavaFX eine deklarative Skriptsprache, die es erlaubt, die Anordnung grafischer Elemente - Formularfelder, Layoutelemente, Bilder - zu definieren.

Eine Laufzeitumgebung sorgt dann dafür, dass man solche Skripte auf einem Display betrachten und mit ihren Elementen interagieren kann. Als Oberflächenbibliothek kommt Swing zum Einsatz. JavaFX nutzt Java-Klassen und Konzepte, um Anwendungen zu schreiben, die auf jedem System gleich aussehen, sich intelligent und dynamisch verhalten und kann dabei potenziell auf alle Technologien und Bibliotheken zurückgreifen, die Java von Haus aus bietet.

Nachdem Sun den insolventen Betriebssystemhersteller SavaJe übernommen hat , verfügt das Unternehmen auch für mobile Endgeräte über entsprechende Technologien. Daher steht auch der Integration von JavaFX in die Handy-Browser nichts im Wege. JavaFX Mobile soll laut Sun das erste Release werden, das die neue Skriptsprache nutzt. Gemäß der neuen Lizenz-Strategie von Sun wird auch der Quellcode von JavaFX veröffentlicht.

Rich Green, Suns Vizepräsident der Softwaresparte deutete auf der JavaOne an, dass es sich bei JavaFX um eine völlig neue Plattform handele, die sich an Content-lastige Anwendungen wie Blogging-Systeme und Web2.0-Communities richte und durchgängig animierte und optisch äußerst anspruchsvolle Bedienoberflächen ermöglicht. James Gosling, geistiger Vater von Plattform und Programmiersprache weist darüber hinaus auf die Ironie des Schicksals hin, dass Javascript zwar wie Java aussehe, aber mit Java wenig zu tun habe, JavaFX hingegen einen völlig anderen Programmieransatz wähle, dafür eng mit der Java-Plattform zusammenarbeitet.

Sie haben ein Deja Vu? Kein Wunder, denn das alles gibt es im wesentlichen schon: Adobes (Macromedia) Flash ist eine Technologie, die ähnlich funktioniert, nur nicht von Java-Klassen Gebrauch macht. Und erst vor wenigen Tagen hat Microsoft angekündigt, seinen eigenen Flash-Konkurrenten ins Rennen zu schicken. Silverlight wird Vektorgrafik und Videostreaming mit .NET-Bibliotheken verbinden. Redmond redet davon, dass sein Flash-Vertreter genauso plattformunabhängig ist wie das Original. Freilich versteht man im Bundesstaat Washington aber nur Microsoft- und Mac-Computer als "Plattform".

JavaFX wird dank der nahezu auf jedem erdenklichen Betriebssystem laufenden Java-Engine auch auf allen Linux-Derivaten und Handys seinen Dienst verrichten. Und schließlich gibt es noch eine Konkurrenztechnologie, die den Hype ums Web2.0 überhaupt erst möglich machte: AJAX. Sie erlaubt asynchrone Aufrufe von Serverdiensten via Javascript und XML und lässt Entwickler Weboberflächen programmieren, die mit gängigem HTML völlig undenkbar wären. Laut Gosling wäre man allerdings weit davon entfernt, mit JavaFX einen AJAX-Konkurrenten entwickeln zu wollen.

So schön alle diese Plattformen für sich genommen aussehen mögen und so erfreulich einfach sich die Entwicklung mit ihnen gestaltet - Konsumenten und Entwickler werden mit den konkurrierenden Technologien vor ein neues Problem gestellt, nämlich die Auswahl. Um sicher zu gehen, dass man auch wirklich alle Inhalte auf seinem PC oder Handy betrachten kann, müssen entsprechende Plugins, Laufzeitumgebungen oder Skripting-Engines installiert werden. Flash profitiert dabei von seiner Verbreitung, Silverlight vom .NET-, Vista- und Video-Hype und Java von seiner nahtlosen Verfügbarkeit für alle denkbaren Endgeräte.

Sun-CEO Jonathan Schwarz sagte dem Wallstreet-Journal, dass JavaFX für sein Unternehmen endlich die Möglichkeit eröffne, mit Java-Technologie Geld zu verdienen. Bislang zahlen Handy-Hersteller lediglich geringe Lizenzgebühren, wenn sie Java auf ihrem Mobiltelefon einsetzen - was angesichts der weltweit über eine Milliarde Mal verkauften Java-fähigen Handys auch schon ein nettes Sümmchen ergeben dürfte. Nicht zuletzt wegen des Augenschmauses, den Apples iPhone , LGs Prada oder Samsungs SGH-F700 bieten, werden alle Handy-Hersteller langfristig auf eine oder mehrere der Plattformen setzen. Bleibt abzuwarten, ob JavaFX es schafft, den "Desktop-Java"-Gedanken neu zu beleben, den man mangels Leistungsfähigkeit Mitte der 90er Jahre in die Mottenkiste verfrachtet hatte.

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