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"Web kann nicht gratis bleiben"

27.02.2010 | 16:08 Uhr |

Die Gratiskultur im Internet ist nach Ansicht der Investmentgesellschaft Janus Capital kein Dauerzustand. Das Web werde sich zwangsläufig weiterentwickeln. Um Bezahl-Inhalte kommen Anbieter wie User in Zukunft dabei nicht herum.

Brad Slingerlend, Medienanalyst bei Janus Capital, meint: "Quality Content is King". Dem Experten zufolge werden gerade hochwertige Inhalte immer wichtiger für Internetunternehmen. Diese könnten jedoch nur gegen Bares zur Verfügung gestellt werden. "Die Gratismentalität der Nutzer im Internet ist eine Tatsache. Natürlich wird es schwierig sein, die Zahnpasta jetzt wieder in die Tube zurückzudrücken. Doch wissen wir aus Untersuchungen der vergangenen Monate, dass rund 50 Prozent der User bereit sind, für eine Nachrichtenquelle, der sie vertrauen und die sie nutzen wollen, auch etwas zu bezahlen", sagt Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger ( BDZV ), auf Anfrage von pressetext.

Während Janus Capital zufolge noch viele die Ansicht vertreten, dass das Internet ein Gratismodell bleiben soll, erwägen immer mehr Verlage und Portalbetreiber die Einführung von Paid-Content-Modellen. Neben Medienmogul Rupert Murdoch hat zuletzt etwa die New York Times derartige Pläne konkretisiert. "Zeitungen gelten nicht nur gedruckt, sondern auch online als besonders seriöse und vertrauenswürdige Quelle. Die Herausforderung besteht nun darin, zu vermitteln, dass diese Qualitätsinhalte nicht aus dem Cyberspace fallen, sondern durch komplexe journalistische Arbeit entstehen und deshalb auch einen echten Wert haben", so Pasquay gegenüber pressetext.

Das Internet hat sich mitunter durch den Erfolg von Web 2.0 schon in den vergangenen Jahren massiv gewandelt. Slingerlend zufolge war es bisher in einer Entdeckungsphase. Das Netz habe eine Periode durchlebt, in der die Menge des Contents sprunghaft angestiegen ist und sich Suchmaschinen zu den wohl wichtigsten Werkzeugen des alltäglichen Lebens etablierten. Mit dem Boom von Smartphones und internetfähigen Handys würden Online-Suchen noch bedeutender. Für Publisher sei es nun an der Zeit, Qualitätsinhalte zu erzeugen, um Konsumenten zufriedenzustellen und eine Stammnutzerschaft aufzubauen.

Der Appetit auf hochqualitativen Content im Internet sei groß, meint Slingerlend. Mit Qualitätsinhalten steige die Attraktivität der Seiten für Werbetreibende. Große Anbieter wie Yahoo oder AOL würden daher bereits massiv in die Content-Produktion investieren. Kostenlose Angebote seien aber "kein realistischer Geschäftsansatz", da Quality Content aufwendig und kostenintensiv zu produzieren sei und monetarisiert werden könne. "Es ist sinnvoll und gerechtfertigt, ihn mit Subskriptionsmodellen zu vertreiben", betont Slingerlend.

(pte)

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