691976

Jahr-2000-Problem: In Einzelfällen haften Software-Hersteller

Die Hersteller von Computerprogrammen mit Jahr-2000-Fehlern

Die Hersteller von Computerprogrammen mit Jahr-2000-Fehlern werden unter bestimmten Bedingungen vom Hersteller entschädigt. Das berichtet die PC-WELT-Online-Schwester Tecchannel unter Berufung auf die Nachrichtenagentur dpa. Dem Koblenzer Rechtsanwalt Axel Merz zufolge bestehen Ansprüche, "wenn die Software nach Anfang der neunziger Jahre entwickelt wurde, wenn sie kein kurzlebiges Produkt ist und wenn die Gewährleistungsansprüche des Kaufvertrags noch nicht verjährt sind." Weise der Vertrag keine Angaben zur Gewährleistungsfrist, betrage die allerdings laut Gesetz nur sechs Monate.

Das Problem sei, dass viele Fehlfunktionen von Programmen vermutlich nicht bereits am Neujahrstag, sondern erst im Laufe des Jahres 2000 aufträten. Fehlerhafte Frist- oder Zinsberechnungen etwa könnten längere Zeit unbemerkt im Hintergrund laufen. "Die Tretminen gehen erst Monate später hoch. Erst dann kommt die große Welle der Reklamationen", so Merz. Die gesetzliche halbjährige Gewährleistungsfrist sei dann jedoch zum Teil schon abgelaufen. "Ratsam ist es daher beim Kauf von umfangreicher Software, mit dem Hersteller eine längere Gewährleistungsfrist auszuhandeln."

In einer günstigeren Position befänden sich Software-Nutzer, die mit einem Lizenzgeber einen befristeten Überlassungsvertrag abgeschlossen hätten. "Dieses Verhältnis wird von der Rechtsprechung wie ein Mietverhältnis behandelt", erläuterte der Rechtsanwalt. "Daher ist der Lizenzgeber während der gesamten Vertragslaufzeit in der Pflicht, dass die Software funktioniert."

Unabhängig von der Gewährleistungsfrist kann laut Merz auch versucht werden, über die Produkthaftung zum Ziel zu gelangen. "Nach dem Erkennen eines Fehlers bleiben drei Jahre, um ihn gerichtlich geltend zu machen, falls keine direkte Einigung mit dem Hersteller möglich ist.

Allerdings könne bei der Produkthaftung nicht über die Software selbst, sondern nur über einen Folgeschaden verhandelt werden. Als Beispiel nannte Merz "den Ausschuss, der bei computergesteuerten Maschinen wegen eines Softwarefehlers produziert wird". In der Regel seien derartige Folgeschäden jedoch über die Betriebshaftpflichtversicherung des Soft- oder Hardware-Herstellers versichert.

Der Experte empfiehlt, bei schwerwiegenden Jahr-2000-Fehlern möglichst rasch einen Sachverständigen mit der Erstellung eines Gutachtens über die Ursache zu beauftragen. "Damit hat der Anwender eine objektivierte Schadensanalyse in der Hand und ist viel besser für möglicherweise jahrelange Auseinandersetzungen gewappnet."(PC-WELT, 21.12.1999, sp)

Y2K: Software-Hersteller haften im Einzelfall

Jahr 2000: Versicherungen scheuen Risiko

Informationen zu juristischen Problemen finden Sie auch bei PC-WELT online in der Rubrik "Ihr gutes Recht". Hier können Sie auch Ihre Fragen stellen:

Ihr gutes Recht

0 Kommentare zu diesem Artikel
691976