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Irgendwo in Iowa - Neuer VoIP-Trick in den USA

16.01.2007 | 12:01 Uhr |

Eine Niederlassung im Telco-Paradies Iowa ermöglicht es VoIP-Anbietern wie AllFreeCalls.Net, Ophone und Futurephone, kostenlose Auslandstelefonate zu offerieren und dennoch damit Geld zu verdienen.

Nutzer des frisch gestarteten Dienstes AllFreeCalls.Net können von den Staaten aus ab sofort ohne Zusatzgebühren weltweit in fast 30 Länder telefonieren - ohne eine besondere Software oder Spezial-Equipment. Es genügt ein funktionstüchtiges Telefon, über das eine Festnetznummer in Iowa (+1.712.858.8094) anwählt wird. Nach dem Aufbau der Verbindung geben die Anrufer die Ziffern 011 und dann den Ländercode sowie die eigentliche Rufnummer ihres Gesprächspartners ein. Anschließend können sie so lange wie sie wollen mit ihren Kontakten in Ländern wie Argentinien, Australien, Deutschland, Russland, Südkorea, Thailand und die USA telefonieren.

Der Launch von AllFreeCalls.Net brachte selbst VoIP-Guru Jeff Pulver aus der Fassung: "Wir müssen in sehr interessanten Zeiten leben, wenn selbst bei kostenlosen Telefonaten weiter Konkurrenz gibt", so sein Kommentar. Dabei ist der Ire Pat Phelan, der AllFreeCalls.Net aus der Taufe gehoben hat, nicht unbedingt ein Milliardär mit philantrophischen Zügen, sondern in erster Linie ein geschäftstüchtiger Unternehmer. Nicht anders ist es zu erklären, dass der Dienst - so vermuten zumindest eine Reihe von Bloggern - trotz scheinbar widriger Rahmenbedingungen tatsächlich Profit abwerfen kann: Zwar sind die Anrufe an die Nummer in Iowa für Telefonkunden, die über eine Flatfee für Inlandsgespräche verfügen, komplett umsonst. Phelan, der eine eigene TK-Gesellschaft in Iowa gegründet hat, profitiert jedoch zum einen von einem Subventionsprogramm der obersten US-Telefonbehörde FCC für ländliche Gegenden, dem Universal Service Fund . Zum anderen ist AllFreeCalls.net Mitglied einer Vereinigung von rund 150 (!) unabhängigen Telcos in Iowa, die den Tarif für die Terminierung von Ferngesprächen in ihren Netzen selbst festlegt. Das Startup erhält anschließend pro Anruf einen bestimmten Anteil an dem Gesamtumsatz der Gruppe ausgezahlt. Wenn nicht gerade Dauertelefonate in so exotische Länder wie die Weihnachtsinsel geführt werden, dürften die so erzielten Einnahmen ausreichen, die durchschnittlichen Kosten für die Terminierung von VoIP-Gesprächen im Ausland zu decken - nicht umsonst arbeiten Futurephone.com und Ophone.net , die einen ähnlichen Dienst anbieten, ebenfalls mit einer Iowa-Rufnummer. Übrigens: Offiziell will keines der Unternehmen den Trick preisgeben. Der (angeblich) kostenlose Dienst wird als Kundenwerbung vor der Einführung neuer Produkte und Services deklariert. (mb)

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