94518

Iran bremst Internetzugänge aus

18.10.2006 | 17:20 Uhr |

Die iranische Regierung beschränkt die Geschwindigkeit für Internetzugänge. Internetnutzer dürfen höchstens noch mit 128 KB pro Sekunde durch die Weiten des Webs düsen. Damit soll Iranern der Zugang zu westlichen Informationsquellen und besonders der Download längerer Filme erschwert werden.

Der Bevölkerung der Islamischen Republik Iran stehen künftig nur noch Internetverbindungen mit höchstens 128 KB pro Sekunde zur Verfügung. Das hat die iranische Regierung jetzt beschlossen, um den iranischen Internetnutzern den Zugang zu westlichen Medien, insbesondere Filmen, zu erschweren, wie "The Guardian" berichtet.

Die Internetprovider müssen ihre Zugänge auf höchstens 128 KB/s drosseln. Das ist nun nicht ganz langsam, sondern entspricht immerhin rund 1Mbit/s und damit bereits DSL-Tempo. Ganz langsam sind die Iraner also in Zukunft nicht unterwegs. Aber der Download längerer Videos, insbesondere westlicher Kinofilme und westlicher Fernsehprogramme wird durch die Bandbreitenbegrenzung spürbar erschwert.

Die iranischen Behörden sehen nämlich durch westliche Filme und Musik die islamische Kultur und deren Akzeptanz besonders bei der jüngeren Bevölkerung gefährdet. Außerdem soll so der Zugriff auf Propagandamaterial von oppositionellen Gruppen aus dem Ausland unterbunden oder zumindest erschwert werden. Betroffen sind von der Maßnahme zirka fünf Millionen Internetnutzer im Iran.

Gegen Sie Entscheidung der Regierung rührt sich allerdings Widerstand von Seiten der Internetprovider und von akademischen Einrichtungen, die die Weiterentwicklung und Modernisierung Irans gefährdet sehen.

Die Breitbandbegrenzung ist nur eine von vielen Maßnahmen, um die Bevölkerung Persiens von westlichen Einflüssen fernzuhalten. Zuvor hatten die iranischen Behörden bereits illegal aufgestellte Satelliten-Schüsseln entfernen lassen. Mehrere tausend Satellitenschüsseln sollen von der Polizei in den letzten Monaten sicher gestellt worden sein. Per Satellit sahen viele Iraner heimlich westliche Fernsehsender.

Die iranischen Behörden zensieren zudem Internetinhalte mittels Filterprogrammen. Bestimmte Websites wie beispielsweise CNN.com oder der speziell für Persien konzipierte Webauftritt der BBC sowie Weblogs kann man von iranischen Internetcafes aus nicht erreichen. Laut "The Guardian" liegt der Iran hinter China auf dem zweiten Platz, was Zensurmaßnahmen im Web angeht.

0 Kommentare zu diesem Artikel
94518