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Interview mit Opera-Gründer über Firefox, Microsoft und mehr

04.11.2004 | 16:21 Uhr |

PC-WELT sprach mit dem CEO und Gründer von Opera Software über die Konkurrenz zu Mozilla, über das Verhältnis zu Microsoft, über Linux und über neue Features in Opera 7.60.

Mit Spannung wartet die Mozilla-Community auf das Final Release von Firefox 1.0, am 9. November soll sie kommen. Angesichts des Trubels um den Mozilla-Ableger geht fast völlig unter, dass noch ein weiterer Browser seit Jahren mit Erfolg an den Marktanteilen des bisher dominierenden Internet Explorers knabbert: Opera .

Grund genug für die PC-WELT, mit Jon S. von Tetzchner , dem CEO von Opera Software zu sprechen: Bei einem Besuch in unserer Redaktion in München sprach der Opera-Gründer über das Verhältnis zwischen Mozilla.org und Opera Software, über Microsoft und über spannende neue Features der nächsten Opera-Version.

PC-WELT : Der Hype um Firefox hat ungeahnte Ausmaße angenommen, Fans des Browers sammeln für Zeitungsannoncen. Das stellt sich die Frage: Ist der Internet Explorer überhaupt noch Ihr Hauptkonkurrent oder muss sich Opera Software mittlerweile mehr mit dem Firefox auseinandersetzen?

Tetzchner: Nach wie vor ist der IE von Microsoft unser Hauptgegner, daran besteht kein Zweifel. Natürlich konkurrieren Opera und Firefox gemeinsam um Anwender, die vom IE weg wollen. Aber die Mehrzahl der neuen Firefox-Nutzer sind frustrierte IE-Anwender und nicht Ex-Opera-Benutzer. Wir profitieren beide von der Unzufriedenheit vieler IE-geschädigter Surfer. Es sind besonders Technik-affine Anwender, die sich oft mehrere alternative Browser herunterladen und testen. So haben wir trotz des Hypes um Firefox gute Chancen, neue Nutzer zu gewinnen und uns mit – nicht gegen – Firefox ein großes Stück vom Browserkuchen abzuschneiden.

PC-WELT: Sie haben wirklich keine Angst, gegenüber Firefox ins Hintertreffen zu geraten?

Tetzchner: Die Jungs von Mozilla.org machen eine tolle PR-Arbeit, keine Frage. Aber letztendlich entscheidet die Qualität der Technologie, die im Browser steckt. Da muss sich Opera nicht verstecken, wir sind mindestens so gut, wenn nicht sogar besser.

Nur drei Beispiele: Vergleichen Sie die Größe der Downloaddateien von Opera (ohne Java; Anm. der Redaktion) und Firefox. Opera bringt gerade einmal 3,6 Megabyte auf die Waage, Firefox immerhin 4,7 Megabyte. Aber Opera umfasst eine komplette Suite mit Mailclient und Chat. Firefox dagegen ist nur ein Stand-alone-Browser, obwohl die Downloaddatei größer ist.

Außerdem haben wir wichtige und heute weit verbreitete Features erstmals populär gemacht. Denken Sie nur an das "tabbed Browsing". Opera brachte dieses Feature als erster einem größeren Publikum zur Kenntnis.

Zudem ist Opera im Betrieb sehr Ressourcen-schonend, er beansprucht nur wenig Arbeitsspeicher.

PC-WELT: Gibt es Bereiche, auf denen Sie mit Firefox nicht nur konkurrieren, sondern auch zusammen arbeiten?

Tetzchner: Ja. Zum Beispiel wollen wir zusammen mit Mozilla.org erreichen, dass sich alle Web-Seiten-Programmierer endlich an die für die Web-Programmierung existierenden Standards halten. Das ist wichtig, damit die Seiten auch tatsächlich in allen Browsers gleich gut angezeigt werden. Wenn ein Web-Programmierer seine Web-Seiten für den Internet Explorer optimiert – und damit von den allgemeinen Standards abweicht – sehen die Seiten in Opera und Firefox natürlich schlecht aus. Da kann schnell der Eindruck entstehen, unser Browser sei daran schuld. Das stimmt aber nicht, korrekt programmierte Seiten stellt Opera perfekt dar.

So gesehen freuen wir uns sogar über den Erfolg von Firefox, weil er mithilft, den Marktanteil des IEs zurückzudrängen. Und das stärkt auch die Chancen von Opera. Denn wenn immer weniger Surfer den IE nutzen, steigt der Druck auf Programmierer, ihre Seiten streng nach den verbindlichen Web-Standards zu erstellen und keinen Browser mehr zu benachteiligen. So gesehen sind Opera und Mozilla.org Rivalen und Verbündete zugleich.

Im Übrigen ist die Entscheidung für oder gegen einen Browser nicht immer nur von Sachargumenten begründet, sondern nimmt teilweise Züge einer Religion an. Man ist grundsätzlich gegen Microsoft, also benutzt man nicht den IE. Man mag Opera, findet den Browser und die Firma sympathisch, also bleibt man bei ihm. Genauso gibt es Firefox-Anhänger, die ihrem Browser die Treue halten.

Übrigens ist Mozilla.org keineswegs ein nur durch Spenden finanziertes Projekt. Es stehen durchaus finanzkräftige Unternehmen hinter Mozilla. Sun und AOL zum Beispiel. Diese beiden Großkonzerne sind fest entschlossen, die Vorherrschaft des Internet Explorers zu brechen. Deshalb greifen sie Mozilla.org finanziell massiv unter die Arme. Das wird in der öffentlichen Diskussion um Open Source und kommerzielle Software immer wieder vergessen.

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