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Online kann nicht gratis bleiben

06.04.2009 | 21:55 Uhr |

Rupert Murdoch, Mehrheitseigentümer des Medienkonzerns News Corp, hält entgeltliche Onlineinhalte für unumgänglich. Sprich: Für Online-News muss man bald zahlen.

Nach Meinung des Herausgebers des Wall Street Journal werden andere Nachrichtenportale ihre Geschäftsmodelle adaptieren müssen. "Die Konsumenten werden Nachrichten in Zukunft nicht mehr kostenlos abrufen können", sagte Murdoch auf der diesjährigen Cable Show, einer Fachmesse der Kabel TV-Branche in Washington D. C. Die New York Times betreibe derzeit eine der populärsten Internetportale der Vereinigten Staaten, sei jedoch wirtschaftlich nicht in der Lage, ihre Services profitabel anzubieten.

Die Wirtschaftskrise hat zahlreiche US-Nachrichtenmedien an den Rand des Ruins gebracht. Medienkonzerne wie Hearst Corp und EW Scripps waren gezwungen, alteingesessene Tageszeitungen einzustellen. Das ins Stocken geratene Wachstum im Bereich Onlinewerbung führt in Zeiten der Krise dazu, dass die stark sinkenden Erträge anderer Sparten nicht mehr neutralisiert werden können. "Wir spüren natürlich ein defensiveres Buchungsverhalten, im Vergleich zu Print oder TV sind die Rückgänge aber noch recht gering. Trotzdem sehen wir gegenwärtig einen Bereinigungsprozess unter Onlineportalen und damit auch unter den Online-Vermarktern", sagt Armin Blohmann, Leiter von Konzernkommunikation & Investor Relations der Tomorrow Focus AG.

Der von Murdoch skizzierte Trend scheint auch auf andere Webangebote überzugreifen. "Wir speichern auf den Servern der Kodak Gallery fünf Milliarden Photos. Der dafür nötige Speicherplatz verursacht hohe Kosten, die wir nur schwer zur Gänze stemmen können", gibt Mark Cook, Produktmanagementdirektor von Kodak, zu bedenken. Die Suche nach neuen Erlösmodellen hat daher längst begonnen. Tomorrow Focus nutzt unter Einsparung enormer Marketingkosten das reichweitenstarke Nachrichtenportal FOCUS-online, um neue Internetauftritte wie nachrichten.de bekannt zu machen. Andere Anbieter beschränken Gebühren auf spezielle Angebote, bieten On-demand-Lösungen an oder gehen völlig neue Wege. Beispielsweise schuf die Internetzeitung Huffington Post in den USA einen Fonds in Höhe von 1,75 Millionen Dollar. Aus dessen Mitteln sollen freie Journalisten unterstützt werden, informiert die Neue Züricher Zeitung.

"Hochwertiger redaktioneller Content wird im Internet nur mehr schwer zu refinanzieren sein. Die Lösung dieses Problems wird aber angesichts des breiten Alternativangebots an frei zugänglichem Content nicht im Paid-Content liegen", meint Blohmann. Die Nutzer seien seit Anbeginn des Internet daran gewöhnt, dass General-Interest-Inhalte kostenlos sind. Zudem seien Prinzipien wie Barrierefreiheit nur schwer mit kostenpflichtigen Qualitätsinhalten vereinbar. Es sei vielmehr wahrscheinlich, dass spezifische Inhalte wie Testberichte nur mehr gegen Entgelt zu haben sein werden.

Die Verlagsbranche befindet sich seit der allgemeinen Nutzbarmachung des Internet in einer historischen Umbruchsphase. Werbebudgets werden auf dem europäischen wie auf dem amerikanischen Markt in Richtung Online-Relations verlagert. Im Hinblick auf Paid-Content-Überlegungen seien keine wesentlichen Differenzen zwischen europäischen Märkten und ihren US-amerikanischen Pendants auszumachen, so Bohmann weiter. Experten in Deutschland und Österreich halten das Geschäftsmodell "Content gegen Gebühr" jedoch nicht für zukunftsfähig. (pte)

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