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Internet nicht mehr kostenlos?

10.11.2000 | 15:45 Uhr |

Der Kauf von Napster durch Bertelsmann hat in der Internet-Gemeinde für großes Aufsehen gesorgt. In naher Zukunft werden sich Nutzer der Tauschsoftware darauf einstellen müssen, für die Dienste zu zahlen. Doch Napster ist nur der Anfang.

Der Kauf von Napster durch Bertelsmann hat in der Internet-Gemeinde für großes Aufsehen gesorgt. In naher Zukunft werden sich Nutzer der Tauschsoftware darauf einstellen müssen, für die Dienste zu zahlen.

Der Unmut der Anwender ist gewaltig, zumal bislang nahezu Alles im Internet gratis genutzt oder betrachtet werden konnte. Mittlerweile scheinen jedoch immer mehr Internet-Firmen mit dem Gedanken zu spielen, sich ihre Dienste vergüten zu lassen.

Anders als bei Napster, die ein Lizenzmodell einführen wollen, um den laufenden Rechtsstreit mit der Musikindustrie gütlich zu beenden, wollen die großen Internet-Anbieter freiwillig Gebühren erheben. Weshalb? Einfach deshalb, weil sie die Marktmacht dazu haben.

"Die Menschen müssen sich an den Gedanken gewöhnen, dass es nicht mehr lange kostenlose Angebote geben wird", meinte Dan Campi, Vorstandsvorsitzender von Punch Networks. Die Firma entwickelt Software zum Tausch von Daten über das Internet.

Auch Bob Visse, Produkt Manager bei MSN.com teilt diese Ansicht. "Die Tage des einseitigen Verlassens auf Banner-Einnahmen sind gezählt. Diese Einnahmequelle wird sicherlich nicht unsere einzige bleiben". Große Portale wie MSN könnten für Dienste wie MP3-Börsen, Internet-Telefonie oder Online-Spiele in Zukunft eine Gebühr verlangen.

Bei AOL.com ist dieser Schritt bereits Realität. Für bestimmte Telefongespräche über das Internet will der Konzern ab Januar eine Gebühr in Höhe von 4,95 US-Dollar einführen. Auch Yahoo.com bietet seit letztem Monat ähnliche Telefondienste an, momentan noch kostenlos. Doch auch hier sieht man ein "gewaltiges Potenzial", für bestimmte Dienste, wie internationale Telefon-Gespräche, Gebühren einzuführen.

Dies sind nur vereinzelte Beispiele von Unternehmen, die sich ihre Dienste künftig versilbern lassen wollen. Allerdings kann dies der Anfang eines totalen Wandels des Internet im Vergleich zu den vorherigen Jahren sein.

Zu Beginn des Internet-Booms wurde alles gratis angeboten. Erfolgreich war die Strategie mit dem kostenlosen Vertrieb von Browsern. Diese und andere Aktionen trugen mit dazu bei, dass sich das Internet immer stärker verbreitet hat und heute in manchen Bereichen nahezu unverzichtbar geworden ist.

Das Feld wurde von den Konzernen gesät, nun scheint es den Firmen an der Zeit, die Ernte einzufahren. Sicherlich wird es immer kostenlose Inhalte und Dienstleistungen im Netz geben. Allerdings sollte sich der Verbraucher schon mal darauf einstellen, in naher Zukunft für manche Dienstleistungen zur Kasse gebeten zu werden. (PC-WELT, 10.11.2000, mp)

Napster: Standard- und Premium-Varianten? (PC-WELT Online, 06.11.2000)

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