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Internet hilft Scheidungsopfern

01.03.2006 | 15:16 Uhr |

Das Internet kann eine interessante Ergänzung für Elternteile bieten, die von ihren Kindern durch eine Scheidung getrennt wurden. In den USA gibt es dazu bereits die ersten Erfahrungen.

Wenn nach einer Scheidung der Kampf ums Sorgerecht entschieden ist, bleiben einem Elternteil oft nur genau festgelegte Besuchszeiten, um das Kind zu sehen. Leben die geschiedenen Eltern räumlich weit auseinander, sind Besuche zusätzlich erschwert. Hier kann das Internet weiter helfen, wie CNN berichtet.

Die Situation von David List ist ein Beispiel dafür. Der Amerikaner wurde von seiner Frau geschieden, von der er zum Termin der Scheidung eine 2-jährige Tochter hat. Das Problem: zwischen den beiden Elternteilen liegt der Atlantik. List kann also nicht einfach einmal so bei seiner Tochter vorbei fahren.

Doch beim Scheidungsverfahren erkämpfte sich List das Recht auf "virtuelle Besuche". Über eine Internet-Videoverbindung spricht der Vater jetzt mindestens zwei Mal pro Woche mit seiner mittlerweile fünf Jahre alten Tochter. Zu persönlichen Treffen kommt es angesichts der weiten Entfernung dagegen nur einige wenige Male pro Jahr. Trotzdem gelingt es List dank des Internets, eine gewisse Nähe zu seinem Kind zu wahren – trotz der vielen tausend Kilometer Abstand.

Erfolge wie diese motivieren die Befürworter der "virtuellen Besuche" dazu, solche Regelungen als festen Bestandteil von Scheidungsverträgen zu fordern. Die ersten US-Bundesstaaten berücksichtigen diese Möglichkeit bereits bei einem Scheidungsverfahren oder wollen diese Option demnächst einführen.

Allerdings gibt es auch Gegner solcher Regelungen. Diese befürchten, dass Scheidungsrichter "virtuelle Besuche" als Ersatz für richtige Begegnungen ansehen und im Scheidungsvertrag verankern könnten. Das wäre dann natürlich kontrapoduktiv.

Zudem ist der Begriff "virtuelle Besuche" in den USA bisher nicht allgemein verbindlich definiert. Darunter können derzeit Telefongespräche, Mailings und Konversation via Instant Messenger verstanden werden. Die für Kind und das betroffene Elternteil interessanteste Lösung ist aber das Video-Gespräch. Bei einer vorhandenen Breitbandverbindung ist das kein Problem. Gerade letztere Lösung findet denn auch stark wachsenden Zuspruch, wie Scheidungsanwälte bestätigen. Oft ohne formelle gerichtliche Lösung, die Eltern vereinbaren das mitunter formlos.

Mehr Informationen zu diesem Thema finden Sie auf der englischsprachigen Website http://www.internetvisitation.org/ .

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