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Internet für labile Menschen gefährlich ?

11.09.2000 | 17:39 Uhr |

Labile und psychisch kranke Menschen haben häufig Probleme durch langes Surfen im Internet. Nach einer am Montag veröffentlichten Studie der Münchner Universität hatten vier Prozent von 1.000 Befragten ernste Probleme durch häufige Nutzung des Internets.

Labile und psychisch kranke Menschen haben häufig Probleme durch langes Surfen im Internet. Nach einer am Montag veröffentlichten Studie der Münchner Universität hatten vier Prozent von 1.000 Befragten ernste Probleme durch häufige Nutzung des Internets.

Bei diesen Betroffenen habe bereits eine psychiatrische Erkrankung bestanden, meint Professor Ulrich Hegerl. Sie hätten unter Depressionen, Angstneurosen und anderen Manien gelitten, so der Leiter der so genannten Internetambulanz an der psychiatrischen Universitätsklinik in München. Alle hätten eines gemeinsam: Sie seien nicht selbstbewusst und suchten im Internet nach Kommunikation, Partnerschaften oder neuen Freunden.

Als Beispiel nannte Hegerl Hausfrauen, die nachmittags stundenlang im Netz chatten oder Anleger, die ständig die Entwicklung der Aktienkurse verfolgen würden. Die am meisten angeklickten Websites der Betroffenen seien Chats, an zweiter Stelle stünden Sexseiten. Viele Betroffene steigerten im Netz ihr Selbstwertgefühl und flüchteten aus ihrer Realität.

Das Internet fördere suchtähnliches Verhalten, weil es "jeden Tastenklick sofort belohnt", sagte der Wissenschaftler. Die Anonymität des Internets gebe vielen sonst unsicheren Menschen große Sicherheit. Dabei handele es sich meist um Männer mit einem Durchschnittsalter von 28 Jahren. Bei vielen hätte zuvor Drogen- oder Alkoholabhängigkeit oder eine Spielsucht bestanden.

Kennzeichen für eine krankhafte Nutzung des Internets sei unter anderem Verlust über die Kontrolle der Zeit im Netz sowie ein deutlicher Rückzug aus dem sozialen Leben. Sehr selten habe es körperliche Entzugserscheinungen wie Nervosität und Unruhe gegeben. Auch ein Verlangen nach einer immer währenden Steigerung der Dosis sei nicht aufgefallen.

Seit 1998 gibt es in München die Ambulanz für Internetabhängige, die erste Einrichtung dieser Art in Deutschland. (PC-WELT, 11.09.2000, dpa/ mp)

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