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Internet definiert Musikmarkt neu

06.10.2000 | 16:00 Uhr |

Die letzten Jahre waren für die großen Musikkonzerne nicht eben leicht: Zu sinkenden Gewinnen und explosionsartig wachsenden Gagen kam die zunehmende Bedrohung durch das Internet. MP3 lautet hier die Zauberformel.

Die letzten Jahre waren für die großen Musikkonzerne nicht eben leicht: Zu sinkenden Gewinnen und explosionsartig wachsenden Gagen kam die zunehmende Bedrohung durch das Internet. MP3 lautet hier die Zauberformel.

Millionen Musikfans bedienen sich heute aus dem World Wide Web, das fast keine Wünsche offen lässt. Dank der MP3-Technologie auch noch kostenlos. Urheberrechte werden massenhaft verletzt, rund 700.000 Websites voller Musiktitel stehen bereit. Täglich werden etwa 17 Millionen Songs illegal aus dem Internet heruntergeladen.

Einer der Verantwortlichen dafür ist Shawn Fenning. Als 19-Jähriger entwickelte er mit seinem Programm Napster 1998 eine noch größere Bedrohung. Fenning steht nun vor Gericht und Napster soll geschlossen werden. Doch die Möglichkeiten, an raubkopierte Musiktitel zu gelangen, sind schier endlos.

Wie kann sich bei solchen Rahmenbedingungen ein nüchtern rechnender Unternehmer noch ernsthaft für das Musikgeschäft interessieren? Die Bertelsmann AG und ihr Vorstandschef Thomas Middelhoff wollen es. Seit 1958 sind die Gütersloher mit Ariola im Musikgeschäft. Mit Arista (1979) und RCA (1986) stieg Bertelsmann in die internationale Spitzenliga auf. Allein Carlos Santanas Album "Supernatural" verkaufte sich 20 Millionen Mal.

Die eigentliche Herausforderung ist heute jedoch nicht mehr der Verkauf von CDs, sondern von Musiktiteln per digitalem Download. Um daraus ein Geschäft zu machen, müssen "Guerilla-Anbieter" wie Napster & Co. ausgeschaltet werden. Nur wenn die Musikfirmen die Kontrolle über ihre Rechte im Internet wieder erringen, geht diese Rechnung für sie auf.

Voraussetzung dafür ist ein einheitlicher Online-Standard bei den Sicherheits- und Abrechnungssystemen. Nur so ist der effektive Internet-Vertrieb unter Wahrung von Urheberrechten möglich. Begleitet werden soll dieser Prozess durch eine konzertierte Aktion von staatlichen Stellen und Internetprovidern - und das im internationaler Maßstab.

Die Idee lautet, eine weltweite Rechte-Clearingstelle einzurichten, bei der die Nutzer das Recht an einem Musiktitel oder einer ganzen Sammlung erwerben können. Anschließend kann der oder die Titel heruntergeladen, von wo auch immer man will: Im Internet, im Online-Musikshop oder beim Plattenlabel selbst. Eine Aufklärungskampagne soll in den nächsten Jahren für ein neues Rechtsbewusstsein sorgen und die Nutzer, die sich die Musik bisher für lau besorgen, aus der Illegalität herausholen. (PC-WELT, 06.10.2000, dpa/ mp)

PC-WELT Ratgeber: Alles über MP3

Wird Napster aufgekauft? (PC-WELT Online, 05.10.2000)

Kostenloser MP3-Radio-Sender (PC-WELT Online, 04.10.2000)

MP3s im Internet bald legal? (PC-WELT Online, 28.09.2000)

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