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China sperrt iTunes und Amazon

22.08.2008 | 13:22 Uhr |

Nach der Veröffentlichung des Musikalbums „Lieder für Tibet – Die Kunst des Friedens“ scheint die chinesische Regierung den Zugang zu Apples amerikanischem iTunes Store gesperrt zu haben.

Nutzer in Peking, Shanghai und Shenzhen berichten, dass sie seit dem frühen Mittwochmorgen beim Versuch, in den Apple-Online-Shop zu gelangen, die Meldung „Unbekannter Fehler“ erhielten. Apple unterhält zwar keinen eigenen iTunes-Store in China, Nutzer können jedoch freie Inhalte wie Podcasts herunterladen. Besitzer einer amerikanischen Kreditkarte können auf der amerikanischen iTunes-Website Einkäufe tätigen.

Amazon.com ist in China weiterhin frei zugänglich. Die Seite über "Lieder für Tibet" und die Download-Seite können aber nicht aufgerufen werden. In den meisten Fällen erscheint die Meldung "Während der Server die Seite geladen hat, wurde die Verbindung zurückgesetzt".

IDG News Service versuchte am Freitagmorgen, sowohl den iTunes Store als auch die fraglichen Amazon-Seiten zu erreichen. Die Versuche scheiterten, erst mit Hilfe eines Virtual Private Networks war der Zugang erfolgreich.

Die Sperrung der Internetseiten fällt in die letzten Wettkampftage von Olympia. Während der Veranstaltung waren mehrere Webseiten trotz kritischer politischer Inhalte uneingeschränkt zugänglich. Vor genau einem Monat hatte Apple außerdem seinen ersten Shop in China eröffnet, eine deutliche Hinwendung des Unternehmens zum chinesischen Markt. Bislang hatte der iPod-Hersteller das Land lediglich als Basis für die Herstellung seiner Produkte genutzt.

Apple gab zu Zugangsproblemen zum iTunes-Shop bislang keinen Kommentar ab.

David Wolf, Leiter der Unternehmensberatung Wolf Asia Group in Peking, wies auf die Zensur am Mittwochmorgen in seinem Blog hin. "Apple hat gerade zu spüren bekommen, dass sich Unternehmensentscheidungen auf die Fortschritte im chinesischen Markt können. Erfolg in diesem Land zu haben bedeutet nicht, Konflikte zu vermeiden, sondern sich intelligent und aktiv damit auseinanderzusetzen." Wie alle Typepad-Blogs ist auch das von Wolf in China gesperrt.

"Lieder für Tibet" enthält Musikstücke von Künstlern wie Sting, Alanis Morissette und John Mayer. Das Album soll "Friedensinitiativen und Programme zur Erhaltung der tibetischen Kultur, die dem Dalai Lama am Herzen liegen, unterstützen“.

China betrachtet Tibet als untrennbaren Bestandteil des Landes, während die meisten Tibeter für die Unabhängigkeit sind. Die chinesische Regierung sieht den Dalai Lama als Separatisten an. Der Konflikt über die tibetische Unabhängigkeit war im März aufgeflammt, als Demonstrationen gegen China mit Toten auf beiden Seiten geendet waren. Unterstützer der tibetischen Unabhängigkeitsbewegung hat daraufhin den olympischen Fackellauf im Ausland mit Protesten begleitet.

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