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"YouTube für Bücher" erzürnt Bestsellerautoren

04.04.2009 | 13:47 Uhr |

Die Onlineplattform Scribd.com erregt Unmut bei Bestsellerautoren wie der Harry-Potter-Erfinderin J.K. Rowling. Die US-Webseite, die eine Art YouTube für Bücher bzw. schriftliche Dokumente darstellt, erfährt derzeit einen kräftigen Aufschwung und erfüllt so manchen Traum von Buchliebhabern.

Gleichzeitig sorgt Scribd.com mit einem Zuwachs von täglich rund 50.000 neuen Texten aber auch für große Sorgenfalten auf Seiten der Verlage und Autoren. So sind auf der Seite neben freien und legitimierten Werken inzwischen auch geschützte Kopien von Büchern wie Harry Potter aufgetaucht, die das Urheberrecht verletzen. Während sich die User darüber freuen können, dass auf Scribd.com angefangen von Klassikern bis hin zu zeitgenössischen Büchern alles zu finden ist, haben Autoren wie J.K. Rowling und Ken Follet dem Portal bereits den Kampf angesagt. Anfang der Woche forderten die Verlage und Agenturen, von denen die Autoren vertreten werden, die kalifornische Buchseite auf, die unlizenzierten Online-Ausgaben ihrer Werke von der Plattform zu entfernen. Wie die Times recherchierte, wurden auf Scribd.com sowohl Kopien von "Harry Potter and the Half-Blood Prince" als auch von Follets "World without End" gefunden. Nun fürchtet die Buchbranche offenbar, dass die Piraterie, die sich im Bereich Musik und Film ausgebreitet hat, in ähnlichem Ausmaß auch auf die Literatur übergreifen könnte. Auch der deutsche Buchhandel hat bereits vor der Bedrohung durch Online-Piraterie gewarnt und versucht, sich mit eigenen Angeboten dagegen zu stemmen.

Neben den Werken von Rowling und Follet finden sich auf Scribd.com auch zahlreiche Titel von Nick Hornby und John Grisham - alle offenbar ohne Autorisierung. "Diese Leute sind Piraten. Wir können uns dem nicht ergeben. Wir können uns nicht leisten, dieselben Fehler zu machen wie die Musikindustrie", sagt Peter Cox, Literaturagent und Redakteur des Blogs Litopia . Auf Seiten der Plattform zeigt man Verständnis für die Urheberrechtsbedenken und versichert, illegales Material zu entfernen. Scribd.com arbeite mit einem Benachrichtigungssystem, das geschützte Inhalte aufspüre und entferne, wenn den die Verleger es verlangen, so Tammy Nam, Sprecherin der Buchplattform. "Wenn wir eine Anfrage erhalten, reagieren wir innerhalb von 24 Stunden." Damit arbeitet die Seite nach den Vorgaben des amerikanischen Digital Millenium Copyright Act, wonach Scribd.com auch nicht für die Handlungen seiner User zur Verantwortung gezogen werden kann.

Kritiker argumentieren, dass diese Vorgehensweise nicht ausreichend sei. Denn die Autoren und Verleger würden nicht immer darüber im Bilde sein, dass und wenn ihre Werke illegal verbreitet werden. Allerdings hat Scribd.com auch sehr viele legale Inhalte auf der Plattform und das Unternehmen testet derzeit in Zusammenarbeit mit einigen US-Verlagen - unter anderem Random House - die Vergabe von Werbebuchgeschenken. (pte)

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