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Webdienst misst Fanengagement zu TV-Serien

27.06.2009 | 14:35 Uhr |

Der US-amerikanische Online-Anbieter Wetpaint hat kürzlich ein Tool vorgestellt, mit dem sich das Interesse der Web-Community an bestimmten TV-Serien messen lässt. Der laut Unternehmensangaben bislang einzigartige Service namens "Fandex" misst dabei das Enthusiasmus-Niveau, mit dem sich die Fans einer Fernsehserie im Internet mit ihrer Lieblingssendung auseinandersetzen.

Im Zentrum des Interesses stehen vor allem soziale Community-Portale wie Facebook oder Twitter , aber auch die entsprechenden Daten von Google und der über 1,5 Mio. nutzergenerierten Wetpaint-Fanseiten fließen in die Endwertung mit ein. Diese will Wetpaint in weiterer Folge wöchentlich in Form eines Top-100-Rankings veröffentlichen. Ziel des neuen Marktforschungsdienstes ist es, den Programmverantwortlichen der TV-Sender Vergleichswerte zu verschiedenen Serien zu liefern, anhand deren sie dann über Erfolg oder Misserfolg bzw. Einstellung oder Weiterführung einzelner Produktionen entscheiden können. "Die Frage des sogenannten 'Engagements', das den persönlichen Enthusiasmus der Zuseher in Bezug auf ein bestimmtes Programm bezeichnet, ist für die TV-Sender ein zentrales Thema. Untersuchungen, die für diesen Bereich Ergebnisse liefern, spielen etwa eine wichtige Rolle für das Werbegeschäft der Fernsehanbieter", erklärt Bernhard Engel, stellvertretender Sprecher der Technischen Kommission der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung ( AGF ), auf Nachfrage von pressetext fest. Um derartige Einblicke erhalten zu können, würden die Programmverantwortlichen auf eine Reihe unterschiedlichster Ansätze setzen. "Dass es für die Sender notwendig ist, derartige Dinge zu wissen, ist klar. In Deutschland nutzen wir in dieser Hinsicht beispielsweise eigene Bewertungspanels, wo repräsentativ festgestellt wird, wie bestimmte TV-Inhalte beim Publikum ankommen", schildert Engel.

Was die Sinnhaftigkeit der Fandex-Ranglisten betrifft, so hat der Fernsehexperte und Mitarbeiter bei der ZDF-Medienforschung allerdings seine Zweifel: "Generell ist die Idee, das Online-Verhalten der TV-Serien-Fans zu messen, sicherlich sinnvoll. Die Methode, mit der die diesbezüglichen Wertungen bei dem Wetpaint-Dienst zustande kommen, scheinen mir aber doch etwas obskurer Natur zu sein." Bei der ZDF-Medienforschung würden derartige Ansätze jedenfalls sicher keine Verwendung finden. "Die Ergebnisse der Fandex-Wertung basieren auf Informationen, die aus sehr heterogenen Quellen zusammengetragen werden. Sozialwissenschaftlich gesehen ist das ziemlicher Unfug und es stellt sich die Frage, inwieweit diese Resultate überhaupt eine objektive Gültigkeit besitzen", kritisiert Engel.

Die Macher hinter Fandex weisen im Zuge der Vorstellung des neuen Tools darauf hin, dass sich der Erfolg von Fernsehserien heute nicht mehr ausschließlich über deren Einschaltquoten messen lasse. Ihrer Auffassung nach sei es für Programmverantwortliche vielmehr wichtig zu wissen, wie sich die Fans im Internet verhalten. "Dem kann man absolut zustimmen. Sich als Programmverantwortlicher über dieses Engagement einen Überblick zu verschaffen, ist sicher wichtig. Gleichzeitig muss aber - je höher das Engagement der Fans im Netz ist - leider zumeist befürchtet werden, dass sie die Folgen bereits gesehen haben, wenn sie im Free-TV auf Sendung gehen", heißt es aus der Film- und Serienredaktion des Österreichischen Rundfunks ( ORF ) auf Anfrage von pressetext. (pte)

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