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User-Inhalte fressen Arbeitszeit von Journalisten

13.09.2009 | 14:57 Uhr |

Selbst erstellte Inhalte, die Nutzer von Nachrichtenseiten im Internet an die zuständigen Redaktionen übermitteln, werden von den dort tätigen Journalisten oft als Ablenkung von ihren eigentlichen Aufgaben wahrgenommen.

Die zunehmende Menge an User-generated Content, die Tag für Tag auf die News-Redaktionen niederprasselt, muss von den Journalisten gesichtet, aussortiert und womöglich noch für die weitere Veröffentlichung aufbereitet werden. All diese Tätigkeiten kosten wertvolle Zeit, die sie eigentlich für andere Aufgaben aufwenden sollten, denen ihrer eigenen Einschätzung nach wesentlich mehr Bedeutung in ihrem Job zukommt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung britischer Wissenschaftler, die aktuell auf der "Future of Journalism"-Konferenz an der Cardiff University vorgestellt worden ist. "Die Journalisten befürworten es zwar, dass ihr Aufgabengebiet auch auf User-Einsendungen erweitert wird. Gleichzeitig haben sie aber die Befürchtung, den zusätzlichen Arbeitsaufwand zeitlich nicht bewältigen zu können und sind der Überzeugung, dass solche Inhalte ohne ein geeignetes Management der Zeitung und ihren Lesern schaden können", fasst Jane Singer von der University of Central Lancashire die zu Tage geförderten Ergebnisse zusammen. "Der Trend zu nutzergenerierten Inhalten auf Nachrichten-Webseiten ist unbestritten, wird von uns aber durchaus kritisch beobachtet", stellt Hendrik Zörner, Pressesprecher des Deutschen Journalistenverbandes ( DJV ), im Gespräch mit pressetext fest. Beispiele wie das Engagement der Bürgerjournalisten im Rahmen der Unruhen im Iran hätten zwar gezeigt, dass durchwegs auch Potenzial in dieser Entwicklung stecke. "Aber auch hier sind Beiträge von Hobby-Journalisten lediglich als sinnvolle Ergänzung zum traditionellen Journalismus zu sehen und können diesen nicht ersetzen", meint Zörner.

Was das Verhältnis der Journalisten zu der wachsenden Menge an User-Einsendungen betrifft, spricht der DJV-Sprecher von einem "zweischneidigen Schwert". "Einerseits sind Nachrichtenhäuser sicher gut daran beraten, nutzergenerierte Inhalte in ihre Online-Auftritte einzubinden, um eine stärkere Leserbindung zu erreichen. Andererseits muss aber klargestellt werden, dass dies nur in einem bestimmten Ausmaß erfolgen sollte und auch für derartige Beiträge die journalistische Sorgfaltspflicht gilt", erläutert Zörner. Die redaktionelle Kontrolle des eingesandten Materials sei wichtig, um nicht die eigene Glaubwürdigkeit aufs Spiel zu setzen. "Natürlich bringt die Sichtung und Bearbeitung der User-Beiträge einen größeren Arbeitsaufwand mit sich, der den Journalisten unter Umständen wertvolle Zeit kosten kann. Die Redaktionen haben durch das gegenwärtige Sparprogramm der Verlage ohnehin bereits die obere Leistungsgrenze erreicht. Für die hinzu gekommenen Aufgaben müssten zusätzliche Arbeitskräfte eingestellt werden. In der derzeitigen Wirtschaftslage wird dies aber nur schwer zu verwirklichen sein", so Zörner abschließend. (pte)

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