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USA verweigert YouTube-Musiker Einreise

19.04.2009 | 15:19 Uhr |

Ein Musiker fehlte beim kürzlichen Debüt des Youtube-Sinfonieorchesters in der New Yorker Carnegie Hall. Der Violist Yurii Inti Bullón Bobadilla aus Mexiko, einer der 96 per Videocasting ausgewählten internationalen Instrumentalisten, erhielt keine Einreiseerlaubnis durch die US-Behörden.

Die Idee des Projekts war es gewesen, Musiker aus allen Ländern außerhalb des professionellen Betriebs zusammenzubringen, was im Konzert in Videointerviews einzelner Musiker zum Ausdruck kam, die zwischen den Stücken eingespielt wurden. Migrationsforscher vermuten jedoch, dass die US-Regierung das Einreiseverbot des Musikers zur Demonstration ihrer innenpolitischen Linie verwendete. Den Einladungsbrief von Google sahen die US-Behörden in Mexiko nicht als ausreichenden Grund, um das abgelaufene Visum von Bullón Bodabilla zu verlängern. Nach dem einen negativen Bescheid bereits Anfang März schalteten sich der mexikanische Konsul in New York sowie der Governeur des Bundesstaates Veracruz ein. Die Bemühungen sowie auch weitere Interventionen seitens Youtube Lateinamerika und Google USA blieben jedoch erfolglos. "Da der Eintritt zum Konzert kostenpflichtig war, forderte die US-Botschaft eine Bestätigung des Arbeitgebers, um mir ein Arbeitsvisum ausstellen zu können", zitieren mexikanische Medien Bullón Bobadilla, der nach einem Musikstudium in Mexiko und England im Sinfonieorchester seiner Heimatstadt Xalapa die erste Viola spielt. Das fehlende Honorar wurde ihm zum Verhängnis, war doch YouTube laut Medienberichten aus diesem Grund nicht in der Lage, die geforderte Bestätigung ausstellen.

"Es scheint, als wolle die USA mit diesem Fall ein Exempel statuieren", interpretiert der Hamburger Migrationsforscher Christoph Parnreiter im pressetext-Interview den Fall. Die USA betreibe seit Mitte der 80er-Jahre eine Politik der Dichtmachung der Grenzen, um die illegale Zuwanderung aus Mexiko zu unterbinden. "Zugleich steigt diese Zuwanderung jedoch jährlich, da es in den USA genug Arbeitgeber gibt, die billige und undokumentierte Arbeitskräfte suchen." Gegenüber den Wählern wolle die Regierung nun die Botschaft vermitteln, dass sie die Einwanderung in Griff habe, wozu sich nur ein prominenter Fall wie der des Musikers eigne. "Dass Hunderttausende Mexikaner nicht dokumentiert einreisen, wird damit überspielt." Parnreiter überrascht kaum, dass alle anderen Musiker des Orchesters problemlos einreisen konnten, die meisten mit Touristenvisa. "Ein Exempel ist nur bei derjenigen Bevölkerungsgruppe möglich, deren Zuwanderung in den USA auch eine Rolle spielt."

Sehr deutlich zeigt das Projekt die Grenzen des Internets auf. "Cyber-Communitys vermitteln dem User eine grenzenlose Welt. Diese ist jedoch nur in Teilen Europas, den USA und Kanada Realität und betrifft kaum weniger privilegierte Länder. Wenn Grenzen auch porös sind, bleiben sie ein Faktum", so Parnreiter. Indem es Information breit zugänglich mache, leiste das Internet zwar einen Beitrag zur Grenzüberschreitung, da es etwa im Fall Mexikos neben familiären Informanten die wichtigste Informationsquelle für Migrationswege sei. "Die harte politische Realität der Nationalgrenzen kommt jedoch auch durch Formen der virtuellen Vernetzung wie YouTube oder Google nicht ins Wanken", betont der Migrationsexperte.

Seitens YouTube konnte zu dem konkreten Fall bisher noch keine Stellungnahme gegeben werden. "Wir haben jeden Musiker soweit wie möglich dabei unterstützt, die für das Konzert nötigen Einreisebedingungen der USA zu erfüllen", betont Henning Dorstewitz, YouTube-Pressesprecher für Deutschland, im Gespräch mit pressetext. Er bestätigt, dass die Musiker für ihren Auftritt kein Honorar empfingen. "Allerdings wurden sämtliche Kosten für Flüge, Hotel und Verpflegung der Musiker von uns übernommen", so der YouTube-Sprecher. (pte)

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