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Tauschbörsen als Karrieresprungbrett für Musiker

16.05.2009 | 16:02 Uhr |

Filesharing-Seiten im Internet haben sich mittlerweile zu einer Art alternativem Distributions- und Promotionsnetzwerk für Musik entwickelt. Ihre starke Verbreitung und Nutzung hat dabei nicht nur negative Effekte auf die Musikwirtschaft, sondern fördert in gewisser Weise auch die Popularität der dort zu findenden Musikstücke und Künstler.

Zu diesem Ergebnis kommt ausgerechnet eine aktuelle Untersuchung von PRS for Music , einer britischen Verwertungsgesellschaft für Songwriter, Komponisten und Musikverlage. Diese hatte ursprünglich das Ziel, durch die Analyse des User-Verhaltens auf Online-Tauschbörsen potenziell vielversprechende neue Ansatzpunkte für die zukünftige Vermarktung und den Verkauf von Musik aufzuspüren. Dabei fand man heraus, dass Filesharing-Portale nicht nur die Bekanntheit von solchen Titeln und Künstlern steigern können, die ohnehin bereits die Spitze der Charts belegen, sondern auch bislang völlig unbekannten Acts bei dem Aufbau einer Fanbasis unter die Arme greifen können.

"Ich würde auf jeden Fall sagen, dass Filesharing-Seiten einen positiven Effekt auf die Bekanntheit der dort vertretenen Künstler haben", erklärt Roland Alton-Scheidl, wissenschaftlicher Beirat bei Creative Commons (CC) Austria . Dahinter verbirgt sich eine Bewegung von Kreativschaffenden, die auf ein Lizenzmodell setzt, bei dem Künstler selbst entscheiden können, wie ihre Werke genutzt werden können. Vor allem noch unbekannte aufstrebende Musiker und Bands könnten von derartigen Webseiten profitieren. "Früher haben die großen Major Labels Musik gefiltert und verteilt. Mittlerweile hat sich das aber grundlegend verändert. Heute wählt eine zunehmende Zahl von Künstlern den einfachen Distributionskanal des Internets, um die eigenen Werke einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Der Nutzer hat dadurch eine größere Auswahlmöglichkeit", erläutert Alton-Scheidl.

Für Künstler, die ihre Musik über das Web verbreiten wollen, sei es aber dennoch wichtig, für die nötige Rechtssicherheit ihrer Werke zu sorgen. "In dieser Hinsicht ist der CC-Lizenzansatz, der die Urheber musikalischer Werke selbst entscheiden lässt, wie diese weiter genutzt werden können, eine sehr gute Lösung", betont Alton-Scheidl. Das Problem sei allerdings, dass dieser Ansatz bei den Verwertungsgesellschaften großteils immer noch auf Ablehnung stoße "Viele dieser Gesellschaften sind noch nicht in diesem Jahrtausend angekommen. Anstatt sich ernsthaft um sinnvolle neue Geschäftsmodelle zu bemühen, wird krampfhaft versucht, die alten Strukturen aufrecht zu erhalten", kritisiert Alton-Scheidl.

"Die beispiellose Menge an Auswahlmöglichkeiten im Internet hat völlig neue Distributionsmodelle hervorgebracht", stellt Will Page, Chefökonom bei PRS, gegenüber BBC News fest. Wenn man den Leuten eine derartige Fülle an Musikangeboten zur Verfügung stelle und sie zur Auswahl ihrer persönlichen Favoriten ermutige, sei das nicht nur für diejenigen Künstler interessant, die sich mit ihren Werken auf den Top-Platzierungen der Verkaufscharts wiederfinden. "Die meistverkaufte Musik ist in der Regel zwar auch die, die am häufigsten auf illegalen Tauschbörsen heruntergeladen wird. Aufgrund des riesigen Angebots lässt es sich aber nicht vermeiden, dass die Nutzer zwischendurch auch auf Titel und Künstler stoßen, von denen sie zuvor noch nie etwas in ihrem Leben gehört haben", heißt es in dem Bericht, den Page gemeinsam mit Eric Garland, Chef der Medien-Tracking-Firma Big Champagne , verfasst hat. (pte)

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