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Internet-Sucht: IBM auf 5 Millionen Dollar Schadenersatz verklagt

21.02.2007 | 13:21 Uhr |

Wegen des Besuchs von Erwachsenen-Chats wurde ein IBM-Mitarbeiter in den USA entlassen. Daraufhin hat dieser den Konzern auf fünf Millionen Dollar Schadenersatz verklagt.

In vielen Firmen ist die private Nutzung des Internets während der Arbeitszeit geregelt. Übertreiben es die Angestellten mit der privaten Surferei, drohen disziplinarische Maßnahmen, bis hin zur Entlassung. In den USA wurde der IBM -Mitarbeiter James P. wegen des wiederholten Besuchs von Erwachsenen-Chats entlassen. Im Gegenzug fordert der Mann von dem Konzern nun fünf Millionen Dollar. Dies berichtet der IDG News Service.

James P. gab an, dass IBM ihn nie mit Sympathie oder Respekt behandelt hätte. Des Weiteren erklärte er, diverse Chat-Rooms als Ausgleich für ein Trauma zu nutzen, das er im Vietnam-Krieg erlitten habe. Dort erlebte P. eigenen Angaben zufolge mit, wie ein Freund von ihm getötet wurde. In der Folge sei er zunächst Sex- und dann Internetsüchtig geworden. P. beruft sich bei seiner Klage auf den American with Disabilities Act. IBM warf P. vor, bei seiner Einstellung die Details zu den psychologischen Behandlungen, die in seiner medizinischen Akte vermerkt waren, nicht genügend beachtet zu haben.

Aus Sicht von Michael Diedrich, dem Anwalt des Klägers, habe P. nicht gegen Regeln von IBM verstoßen, als er pornografische Websites während der Arbeitszeit besucht hat. Er vermutet als Grund für die Entlassung vielmehr Alters-Diskriminierung. So sei P. bereits 19 Jahre für IBM tätig gewesen und wäre im nächsten Jahr in Rente gegangen. IBM wies diesen Vorwurf zurück. Im Hinblick auf die angebliche Internetsucht seines Klienten erklärte Diedrich, dass IBM P. genauso hätte behandeln sollen, wie Alkoholiker oder drogenabhängige Angestellte, denen das Unternehmen spezielle Kurse anbietet.

Zu den Aufgaben von P. gehörte unter anderem die Bedienung von Maschinen, die Computerchips produzieren. Dabei kam es häufig zu fünf- bis zehnminütigen Pausen, bei denen die Maschinen arbeiteten und P. nichts zu tun hatte. Während dieser Zeit besuchte der Mann die Chat-Sites. Am Tag der Entlassung war P. gerade von einem Vietnam-Veteranentreffen zurückgekehrt. Laut P. haben andere Angestellte des Unternehmens für schwerere Vergehen geringere Strafen erhalten.

IBM wiederum erklärte, dass P. bereits vier Monate zuvor wegen ähnlicher Vergehen eine Warnung erhalten habe und beantragte beim zuständigen Richter, zusammenfassend festzustellen, dass die Unternehmensregeln in diesem Zusammenhang eindeutig sind.

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