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Spekulative Domain-Registrierungen am Ende

15.08.2009 | 15:55 Uhr |

Die Internet Corporation for Assingened Names and Numbers (ICANN) hat bekannt gegeben, dass mithilfe einer vor rund einem Jahr entwickelten Lösung das sogenannte "Domain Tasting" praktisch eliminiert werden konnte. Das waren spekulative, kurzzeitige Domainregistrierungen, welche die beispielsweise bei .com-Domains angebotene Möglichkeit zur kostenlosen Rückgabe innerhalb von fünf Tagen - der sogenannten "Add Grace Period" - missbraucht haben.

Diese wurde von Anbietern, die mit reinen Werbe-Webseiten Geld machen, häufig missbraucht. Dank einer Neuregelung des Systems sind solche AGP-Löschungen von Juni 2008 bis April 2009 um 99,7 Prozent zurückgegangen. "Das ist insgesamt sicher sehr positiv aus Sicht der Registrys", meint nic.at-Geschäftsführer Richard Wein im Gespräch mit pressetext. Denn die spekulativen Registrierungen und nachfolgenden Rückgaben hatten einen hohen Aufwand bedeutet.

Bei den meisten generischen Top-Level-Domains (gTLDs) wie .com, .net oder .org besteht die Möglichkeit, eine Domain zu registrieren und auch aktiv zu nutzen, aber dann innerhalb der Fünftagesfrist zurückzugeben. Das war lange Zeit grundsätzlich kostenfrei, was zu einem massiven Missbrauch durch Betreiber von Webseiten geführt hat, die einfach mit Werbeklicks Geld verdienen. Domains wurden registriert und rechtzeitig retourniert, sofern aufgrund des kurzen Tests die zu erwartenden jährlichen Einnahmen gemessen an der Registrierungsgebühr nicht rentabel erschienen, so die ICANN . "Es gab eine handvoll Unternehmen, die das in großem Stil automatisiert gemacht haben", sagt Wein. Das Problem geriet Anfang 2008 sogar ins Visier der World Intellectual Property Organization, da es auch zu Markenmissbrauch durch kurzzeitig geschaltete Werbe-Webseiten kam.

Die ICANN-Lösung für das Problem bestand im Wesentlichen darin, dass Unternehmen nur noch einen gewissen Prozentsatz der registrierten Domains kostenfrei zurückgeben können. Danach fallen auch innerhalb der AGP-Frist Kosten an. Diese lagen übergangsweise bei nur 20 Cent pro überzähliger Löschung. Dennoch sank die Zahl der AGP-Rückgaben von fast 18 Mio. im Juni 2008 bereits im Folgemonat auf unter ein Sechstel dieses Werts. Mit April 2009 wurde für die meisten gTLDs eine endgültige Regelung umgesetzt, nach der exzessive Rückgaben 6,75 Dollar pro Stück kosten. Damit kam es faktisch zum Ende des Domain Tastings. Nur noch 58.218 AGP-Löschungen hat die ICANN im April 2009 beobachtet - um 99,7 Prozent weniger als im Juni 2008. "Das ist letztendlich auch gut fürs Internet, weil die Registrierungen und Löschungen viel Traffic bedeutet haben", betont Wein. Auch verweist er auf die Serverlast bei den Registrys, die durch die automatisierten Vorgänge verursacht wurde. Damit waren letztendlich Kosten verbunden, die nicht wirklich eingebracht werden konnten - und nun dank der Neuregelung gar nicht mehr anfallen. (pte)

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