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Service regelt digitalen Nachlass von Verstorbenen

15.08.2009 | 14:03 Uhr |

Der kürzlich in Deutschland gestartete Servicedienst lastmessage regelt erstmals den Nachruf für Verstorbene im Web 2.0. Im Falle eines Todes informiert der Dienst alle Kontakte des Verstorbenen in sozialen Netzwerken wie Xing, Facebook oder studiVZ und kümmert sich auch um die Löschung der verschiedenen Benutzerprofile.

Für die Inanspruchnahme dieser Dienstleistung muss die verblichene Person dem Anbieter allerdings selbst im Vorfeld vollen Zugriff auf ihre Benutzerdaten gewährt haben. Laut Presseaussendung reicht dafür eine kurze Anmeldung auf der Unternehmenswebsite . Per Post sendet lastmessage dann Vollmachtsformulare für die Log-in-Daten der Online-Netzwerke sowie einen speziellen Umschlag zum eigenhändigen Versiegeln der Dokumente zu. Nach Eingang des versiegelten Umschlags bei lastmessage erhält der Nutzer eine Urkunde, die er seiner persönlichen Hinterlassenschaft beifügen kann. "Angehörige, Pfleger oder Behörden haben so alle notwendigen Informationen zur Hand, um lastmessage im Sterbefall entsprechend zu benachrichtigen", wird in der Mitteilung erklärt. Die Kosten der Dienstleistung belaufen sich derzeit auf einmalig zu zahlende 49 Euro, plus fünf Euro Schutzgebühr für Versandmodalitäten.

"Die veränderte Mediennutzung beeinflusst auch die Erinnerungskultur, beispielsweise durch virtuelle Gedenkstätten oder das Dienstleistungsspektrum von Bestattungsinstituten wie die Abmeldung der Adresse des Verstorbenen bei der Post", sagt Kerstin Gernig, Geschäftsführerin des Kuratorium Deutsche Bestattungskultur , auf Nachfrage von pressetext. Besonders bei weitläufig verstreuten Trauernden biete sich eine Online-Plattform zum Gedenken an den Toten an. Soziale Netzwerke bieten hierfür gute Möglichkeiten und liegen bei der Trauerarbeit zunehmend im Trend.

Gernig hält dies für eine logische und konsequente Entwicklung und reagiert auf neue Angebote wie lastmessage prinzipiell positiv. Dienstleistungen, die sich um den digitalen Nachlass eines Verstorbenen kümmern, können ihren Beitrag dazu leisten, überflüssige Daten im Web zu beseitigen und Online-Suchabfragen für Personen qualitativ zu verbessern, betont die Expertin. Die Löschung der Online-Profile oder E-Mail-Postfächer von Verstorbenen erweise sich laut Gernig derzeit als schwierig, weil die Log-in-Daten der verstorbenen Person meist nicht zur Verfügung stehen. lastmessage versichert zwar, den Umschlag mit den Benutzerdaten nur dann zu öffnen, wenn das Portal nachweislich vom Versterben des Nutzers benachrichtigt wurde. Gernig ist diesbezüglich jedoch skeptisch.

Für Anbieter von Internet-Communitys oder E-Mail-Adressen sei die Auseinandersetzung mit der Frage, wie mit Daten von Verstorbenen umgegangen wird, hingegen auf jeden Fall interessant, betont Gernig. Bei Xing habe man bereits Erfahrung mit der Thematik gemacht, berichtet Thorsten Vespermann, Director Corporate Communications beim Business-Netzwerk. "Wenn uns Freunde oder Angehörige über einen Todesfall in der Community informieren, versuchen wir, die Nachricht zunächst so rasch wie möglich zu verifizieren. Falls sie sich bestätigt, schalten wir das Profil des Nutzers umgehend inaktiv." Ob und wie die Xing-Kontakte eines Verstorbenen über den Tod benachrichtigt werden, darüber entscheiden einzig die Betroffenen. Viele der Bekanntschaften in sozialen Netzwerken seien nämlich nur flüchtiger Natur und hätten womöglich gar kein Interesse daran, über einen Todesfall informiert zu werden, ergänzt Gernig. Geschäftsmodelle anderer Unternehmen wolle man nicht bewerten, bei Xing sei man im Falle des Todes eines Mitglieds jedenfalls um individuelle Lösungen bemüht, so Vespermann abschließend. (pte)

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