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Reiner Online-Auftritt keine Lösung für Zeitungskrise

19.04.2009 | 14:48 Uhr |

Zeitungshäuser, die angesichts finanzieller Schwierigkeiten mit der vollständigen Verlagerung ihres Printprodukts in das Internet spekulieren, sollten sich diesen Schritt noch einmal ganz genau überlegen. Wie ein aktuell präsentierter Bericht von Forschern der City University London zeigt, ist die Herausgabe einer "Online-Only"-Publikation nämlich bei weitem nicht so viel versprechend wie ursprünglich angenommen.

Demnach hat die finnische Finanz-Tageszeitung Taloussanomat , die seit 28. Dezember 2007 aus Kostenreduktionsgründen nur mehr ausschließlich online erscheint, durch die Umstellung mindestens 75 Prozent ihrer Umsätze eingebüßt. Verantwortlich hierfür sind laut Bericht vor allem die fehlenden Werbeeinnahmen und Abonnementeinnahmen aus dem Printgeschäft. Auch die ursprünglich erhoffte Besuchersteigerung auf der Webseite der finnischen Tageszeitung blieb zur Überraschung der verantwortlichen Herausgeber aus. Wie Neil Thurman, Hauptdozent an der City University London, in seinem Bericht bestätigt, ist der Internet-Traffic auf der entsprechenden Seite nach der Umstellung auf ein reines Online-Produkt zwar kurzzeitig leicht angestiegen. Über einen Zeitraum von fünf Monaten gerechnet seien die Besucher- und Zugriffszahlen allerdings um rund 22 Prozent in den Keller gesunken, schildert der Forscher. Im Vergleich zur letzten Woche, in der Taloussanomat noch als Printausgabe erschienen ist, entspricht das einem Rückgang um elf Prozent. "Wir haben eigentlich geglaubt, dass der Verzicht auf ein Printprodukt der Zeitung einen deutlichen Schub in puncto User-Traffic auf der eigenen Webseite einbringen wird. In der Realität konnten wir aber nichts Vergleichbares beobachten", stellt Thurman überrascht fest.

"Verschiedene Untersuchungen haben bereits deutlich gezeigt, dass der Print- nicht durch den Online-Bereich zu substituieren ist", erklärt Anja Pasquay, Sprecherin des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger ( BDZV ) , auf Anfrage von pressetext. Natürlich könne man auf Basis eines spezifischen Falls zwar kein pauschales Urteil für die gesamte Zeitungsbranche abgeben. "Die vollständige Verlagerung ins Internet erscheint mir aber nicht der richtige Weg zu sein, um die gegenwärtigen Probleme zu lösen. Meiner Meinung nach geht es vielmehr um ein vernünftiges Verknüpfen des Print- und des Online-Bereichs", betont Pasquay.

Dass für Zeitungen im Web bislang noch recht wenig Geld zu verdienen sei, erkläre sich zu einem gewichtigen Teil sicher auch durch die entsprechenden Erwartungen, die User mit Webinhalten verbinden. "Die Nutzer sind nicht bereit, Geld für Online-Inhalte von Zeitungen zu bezahlen. Hinzu kommt das Problem, dass im Internet eingesetzte Werbeanzeigen den Unternehmen noch bei weitem nicht so viel Umsätze einbringen wie ihre Print-Pendants", erläutert die BDZV-Sprecherin. Der wider Erwarten eingebrochene Nutzerzustrom auf der Taloussanomat-Homepage zeige einmal mehr, dass die Leserschaft im Web nicht mit der von Tageszeitungen gleichzusetzen sei. "Internet und Printprodukte sind zwei völlig unterschiedliche Medienformen mit einem unterschiedlichen Publikum", so Pasquay abschließend. (pte)

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