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Polit-Blogs gefragter als Mainstream-Medien

14.06.2009 | 14:59 Uhr |

Politisch aktive und interessierte Menschen wenden sich in ihrer Suche nach den neuesten Nachrichten hauptsächlich an Weblogs. Diese werden vor allem deshalb gegenüber der traditionellen Mainstream-Medienberichterstattung bevorzugt, da sie in der Regel eine individuelle Meinung des Autors beinhalten oder wiedergeben und aktuelle politische Fragen ungeschönt aus allen möglichen verschiedenen Blickwinkeln diskutieren.

"Die Leser wenden sich lieber an Blogs, weil sie darin eine bestimmte Befangenheit vermuten. Sie sind enttäuscht von den traditionellen Medien", stellt Richard Davis, Politikwissenschaftler an der Brigham Young University in Utah ( BYU ) und Autor des Buches "Typing Politics - The Role of Blogs in American Politics" gegenüber dem US-Wissenschaftsportal LiveScience fest. "Menschen, die politisch motivierter und aktiver sind, stehen den klassischen Mainstream-Medien prinzipiell kritischer gegenüber als andere Bevölkerungsgruppen. Das Internet - insbesondere Blogs - bietet in dieser Hinsicht eine sehr gute Möglichkeit, seinem Interesse auch abseits der massenmedial verbreiteten Inhalte nachzugehen", erklärt Florian Perlot, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Strategieanalysen ( ISA ) in Wien , im Gespräch mit pressetext. Im Zentrum stehe dabei sicherlich der Versuch, ein differenzierteres Bild politischer Geschehnisse zu erhalten. "Gerade in der politischen Berichterstattung verbreiten die Massenmedien oft sehr ähnliche Inhalte. Blogs werden zunehmend gefragter, wenn es darum geht, sich eine alternative Perspektive zu verschaffen", erläutert Perlot.

Die Leser müssten sich aber zu jeder Zeit im Klaren darüber sein, dass Blogs keinerlei journalistischen Qualitätskriterien entsprechen und lediglich die subjektive Sichtweise des Autors wiedergeben. "Blogs sind eine Art individuelle, alternative Plattform, auf der jeder seine ganz persönliche Meinung zu einem bestimmten Thema veröffentlichen kann. Einerseits unterliegen ihre Verfasser zwar keinem redaktionellen Zwang, andererseits gibt es aber auch keinen Gate-Keeper, der die Qualität der eingestellten Inhalte kontrolliert", fasst Perlot zusammen. Dem ISA-Mitarbeiter zufolge seien sie womöglich aber gerade deshalb so interessant für politisch motivierte Menschen. "Ich gehe davon aus, dass es den Lesern durchaus bewusst ist, dass Blogs zumeist eine sehr persönliche Meinung wiedergeben", meint Perlot.

Die Glaubwürdigkeit war auch ein zentraler Aspekt, den US-Politikwissenschaftler Davis im Rahmen mehrerer Untersuchungen zum Thema politische Blogs analysiert hat. "Der Auffassung der politisch sehr motivierten Leserschaft zufolge sind Bloginhalte genauer als traditionelle Medienberichte", fasst Davis zusammen. Diese Einschätzung würden rund 30 Prozent der politikinteressierten Bevölkerung teilen. Lediglich etwa acht Prozent seien hingegen der Meinung, dass die Berichterstattung in klassischen Medien akurater sei. Die große Mehrheit spricht in dieser Hinsicht mit 40 Prozent beiden Nachrichtenformen die gleiche Sorgfalt zu, was die Aufarbeitung politischer Themen betrifft. (pte)

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